Reisen – Ägypten – „Silvie auf Südtour mit der M/Y Longimanus“

Reisen – Ägypten – „Silvie auf Südtour mit der M/Y Longimanus“

Der Süden im Roten Meer ist nach wie vor eine Tauchreise wert. Gastautorin Silvie Alser hat mit der M/Y Longimanus von Port Ghalib Anzeige die bekannten Hotspots Elphinstone, Dedalus und Rocky Island angefahren.

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Anreise nach Port Ghalib

Glücklicherweise bietet die Germania Schweiz einen Direktflug ab Zürich Anzeige nach Marsa Alam an. Viele Mitreisende aus Deutschland mussten entweder nach Hurghada fliegen und von dort 2 Stunden mit dem Bus nach Phort Ghalib reisen oder bereits in Deutschland eine weite Anreise zu einem der wenigen Flughäfen machen, die Flüge nach Marsa Alam anbieten. In Marsa Alam angekommen holt man sich ein Visum für US$25, geht zum Grenzbeamten und wird dann nach dem Gepäckband direkt von einem Fahrer abgeholt.

Die M/Y Longimanus liegt im Hafen von Port Ghalib, welcher mit dem Auto nur 10 Minuten vom Flughafen Marsa Alam entfernt ist.

Die Anreise der Gäste verteilt sich auf den ganzen Tag – die letzten kamen sogar erst gegen Mitternacht aufs Boot. Der Empfang auf dem Boot ist sehr herzlich. Nach dem Abendessen an Bord können wir uns die Füße noch ein wenig vertreten.

Port Ghalib, der geplante Luxus bleibt Träumerei

Port Ghalib wurde einst als luxuriöse Urlaubsstadt im Süden Ägyptens geplant. 2009 sollte das „Paradies“ eröffnet werden – vorher war der Ort nur bei Tauchern bekannt. Ein Scheich aus Kuwait investierte 2 Milliarden US Dollar und eröffnete 2009 den Traum vom Paradies. Es sollte Platz für 1000 Luxusyachten geben, die ersten Hotels wurden gebaut und ebenso der nahegelegene Flughafen Marsa Alam. Bis 2040 waren 23 Hotels geplant und es sollte Wohnraum für 200 000 Menschen geschaffen werden. Am Flughafen sieht man ein Modell der geplanten Stadt, welches sehr eindrücklich ist, jedoch in dieser Form kaum mehr realisiert werden wird. Seit dem Tod des Scheichs im Jahr 2011 passierte nicht mehr viel. Auf den vielen Baustellen, sieht man nur ab und an jemanden arbeiten.

Am Abend hingegen kann man geschäftiges Treiben in den Läden und Bars erleben. Dies sind all die Gäste aus einem der bereits eröffneten Hotels oder von den Tauchschiffen, welche hier ihre Safaris beginnen oder beenden. Seit meinem letzten Besuch im Jahr 2009 hat das Treiben deutlich zugenommen. Der Traum vom Luxusparadies ist jedoch ein Traum geblieben. Die gesamte Anlage ist weit von einem luxuriösen Paradies entfernt. Immerhin findet man ein Tauchgeschäft, um bei Bedarf noch letzte Einkäufe für die Safari zu tätigen. Viele Ladenbesitzer kommen aus Luxor. Dort sind seit den Anschlägen fast keine Touristen mehr. Hier in Port Ghalib können sie ihren Trödel noch an den ein oder anderen Touristen verkaufen. Hervorzuheben ist das wirklich spektakuläre Hausriff vor den Hotels, welches wir am Abreisetag noch für einen Schnorchelausflug nutzen.

Das Safariboot "M/Y Longimanus"

Die M/Y Longimanus bietet Platz für 20 Gäste, verteilt auf 8 geräumige Doppelkabinen im Unterdeck und 2 große Suiten auf dem Oberdeck. Jede Kabine hat ein eigenes Bad mit Warmwasserdusche, Minikühlschrank, Safe und Klimaanlage. Handtücher werden 1x nach 3 Tagen gewechselt. Bademäntel stehen den Mitreisenden ebenfalls zur Verfügung. Mit seinen drei Sonnendecks, coolen Sitzsäcken, einer Sitz-/Briefingecke und Ablagefächer inkl. Steckdosen zum Aufladen der Kameras/Lampen bietet das Schiff in allen Bereich genügend Platz für alle Gäste.

Ziemlich enttäuschend war der defekte Nitrox-Kompressor, welcher bereits in der Woche zuvor kaputt ging. Leider sind Ersatzteile aufgrund des Alters fast nicht mehr zu bekommen, so dass an eine Reparatur nicht mehr zu denken war. So erlebte ich meine erste Safari ohne Nitrox. Dies war nicht nur ermüdend, sondern aufgrund meiner hohen Anfälligkeit zum Tiefenrausch leider auch sehr unangenehm für mich.

Auffällig waren die äußeren Schäden am Rumpf des Bootes, welche wohl nach einer Saison auf dem Wasser normal zu sein scheinen. Da unsere Safari die vorletzte des Jahres ist, steht im Dezember das  Trockendock auf dem Programm, um das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen. Trotz jährlicher Revision sieht man dem Boot an, dass es etwas in die Jahre gekommen ist.

Die Crew, immer gut für einen Scherz

Die Crew ist sehr hilfsbereit, fröhlich und immer zu Scherzen aufgelegt. Wir wurden von vorne bis hinten verwöhnt, sei es mit einem leckeren Getränk nach dem letzten TG, liebevoll gefalteten Handtücher auf dem Bett oder netten Gesprächen. Die Tauchgänge werden von zwei Tauchguides begleitet, welche sogar beide fließend deutsch sprechen. Da fast nur Gäste aus dem deutschsprachigen Raum an Bord waren  (mit Ausnahme von 2 Gästen), werden Deutschkenntnisse wohl ein Einstellungskriterium sein.

Abwechslungsreiche Mahlzeiten an Bord

Das Essen ist sehr abwechslungsreich, großzügig und immer reichlich. Softdrinks werden kostenlos zum Essen angeboten. Es gibt meist eine Auswahl von 4-5 verschiedenen Gerichten, abwechselnd Fleisch oder Fisch und sehr viele unterschiedliche Salate. Auch auf spezielle Bedürfnisse wird Rücksicht genommen, so dass sich alle wohlfühlen.

Im Vergleich zu anderen Booten bin ich jedoch geschmacklich ein wenig vom Essen enttäuscht (oder aber verwöhnt von anderen Schiffen), da ich auch schon auf Tagesschiffen noch schmackhafteres Essen genießen durfte.

Der Tauchbetrieb

Bei voll besetztem Boot kann es ja auf jedem Tauchboot eng werden. Auf der Longimanus ist das ganz clever gelöst. Die drei Gruppen werden jeweils auf dem Schiff so verteilt, dass die Taucher der gleichen Gruppe nicht nebeneinander sitzen. So hat man immer genug Platz zum Anziehen, obwohl es schon recht eng ist. Die Crew ist immer sehr aufmerksam und hilft, wo sie kann. Sowohl beim Ein- als auch beim Aussteigen sind immer mehrere Bootsjungen da, die helfen.

Rotes Meer - Schlauchboot mit Tauchern

Getaucht wird entweder direkt vom Schiff oder von einem der zwei Schlauchboote. Diese sammeln uns auch nach jedem Tauchgang wieder ein, so dass wir nie lange an der Oberfläche warten müssen. Taucher können sich freiwillig und kostenfrei mit ENOS ausstatten. Bei einem Tauchgang wird ENOS sogar von einer Gruppe genutzt, da die Strömung sie weit abgetrieben hatte. Zum Glück funktioniert das ENOS einwandfrei und alle werden wohlbehalten wieder aufs Schiff zurückgebracht. Täglich werden drei Tauchgänge angeboten mit Ausnahme vom vorletzten Tag (2 TG) und einem Tag mit Nachttauchgang (4 TG). Geweckt weden wir meist in aller Früh um 6:00, damit der erste TG um 7 Uhr starten kann.

So können wir lange Oberflächenpausen genießen und zwischendrin ohne Stress einen neuen Tauchplatz anfahren. Die Distanzen sind meist unproblematisch. Während das Schiff fährt, sitzen wir in der Regel am Essenstisch. Während zwei Nächten fahren wir die ganze Nacht durch, um weit in den Süden zu gelangen. In diesen Nächten ist für viele kaum an Schlaf zu denken und besonders laut wird es in den beiden Kabinen direkt am Motor. So gibt es immer Gäste, welche an Deck schliefen. Das hat am nächsten Tag zur Folge, dass uns die Augen während der Oberflächenpausen immer wieder zufallen 😉

Das Wetter ist sehr angenehm

Wir dürfen uns über wunderbares November-Wetter mit Wassertemperaturen um die 26 Grad und Lufttemperaturen von 27-29 Grad freuen. Es gibt wie immer tapfere Männer, welche im Shorty oder im dünnen 1mm Anzug tauchen. Die meisten allerdings haben einen 5-mm oder 7-mm Anzug dabei, der für diese Bedingungen perfekt ist. Für den Nacht-Tauchgang oder den letzten TG des Tages ist eine Kopfhaube empfehlenswert, da man über den Tag langsam auskühlt. Zum Glück blieben wir von starken Winden und starkem Wellengang verschont. So haben wir glücklicherweise sehr ruhige Überfahrten mit wenig Geschaukel.

Tauchgang-Briefings

Die Guides lassen beim sehr ausführlichen Boots-Briefing keine Fragen offen, so dass sich von Beginn an alle zurecht finden. Zudem sind die täglichen Tauchbriefings sehr unterhaltsam und informativ. Man merkt, dass unser Guides jeden Tauchplatz wie ihre Hosentaschen kennen. So sind wir stets super vorbereitet, wenn wir ohne Guide tauchen wollen.

WLAN auf hoher See

Grundsätzlich wird WLAN an Bord kostenlos angeboten. Es gibt jedoch eine Mengenbegrenzung für die ganze Gruppe, welche natürlich nicht bis zum letzten Tag reicht 😉 Zwischendurch können wir alle für drei Tage digital Detoxing machen, da wir so weit vom Land entfernt sind, dass es keinen Handyempfang mehr gibt. An Bord gibt es deshalb ein Satellitentelefon, damit in Notfällen noch mit der Außenwelt kommuniziert werden kann.

Tauchen

Bei unserer Südtour fahren wir die bekanntesten Hotspots im Süden an. So stehen neben Elphinstone, Deadalus auch Zabargad und Rocky Island auf dem Programm. Nach einem Check-TG in der Nähe von Port Ghalib überraschte uns beim 3. TG am Elphinstone ein Walhai für ca. 15 Minuten.

Gemächlich und komplett unbeeindruckt dreht er seine Runden. Für viele von uns ist es das erste Mal, einen Walhai beim Tauchen und nicht nur beim Schnorcheln zu sehen. Allerdings müssen wir auf die erwarteten Hammerhaie dieses Mal leider verzichten. Mit Ausnahme einer Gruppe, die in der Ferne einen Hammerhai und sogar einen Manta sieht, gehen alle leer aus. Dafür werden wir auf fast jedem 2. TG von einem Longimanus begrüsst, welche sehr neugierig bis auf 1m an uns herankommen und besonders interessiert scheinen, wenn ein Taucher ins Wasser springt. So springen wir immer alle schön nacheinander, damit jeder was von ihm hat! 😉

Auf fast jedem TG begegnen wir den üblichen Verdächtigen wie Muränen, Blaupunktrochen, Feuerfischen und gelegentlich auch Schildkröten oder Adlerrochen. Bei Zabargad können wir schon über Wasser eine Gruppe von ca. 150 Delphinen beobachten und unter Wasser sogar eine Gruppe von ca. 25 Tieren, welche in Formation an uns vorbei schwimmt.

Die meisten Tauchplätze sind sehr leer – meist nur von 1 oder 2 anderen Schiffen belegt. Ausnahme bildete auf der Heimreise Elphinstone, welchen wir nach der Hinfahrt noch einmal ansteuern. Dort treffen wir auf 8 weitere Schiffe, so dass wir 30 Minuten früher aufstehen, um dem Andrang zu entkommen. Trotzdem ist das Taucherlebnis etwas getrübt, wenn alle 2 Minuten ein Schlauchboot übers Wasser düst 😉

Napoleons sind regelmäßig unsere Begleiter und einer von ihnen beißt mich sogar in die Hand, als er sich heimlich von unten/hinten an mich „ranschleicht“. Sie scheinen wohl immer noch angefüttert zu werden.

Starke Strömung erleben wir zum Glück nur bei wenigen TG. Der Riffhaken kommt daher gar nicht zum Einsatz. Eine Tauchgruppe erlebt am Elphinstone die schlimmste Strömung ihres Lebens! Innerhalb weniger Sekunden ändert sich die Tauchtiefe um 10-15 Meter. Die starke Strömung wurde jedoch beim Briefing angekündigt, so dass diese Gruppe es als Erlebnis verbuchte 😉

Dedalus Leuchtturm

Am Dedalus Leuchturm ankern und übernachten wir. Die Crew fährt uns mit dem Schlauchboot „an Land“ und wir nutzen die Gelegenheit die 8 auf der kleinen Insel stationierten Soldaten zu besuchen. Als Nebenjob verkaufen sie während ihres sechswöchigen Aufenthalts T-Shirts an Tauchtouristen. Mit einem etwas mulmigen Gefühl besteigen wir den instabil wirkenden Leuchtturm, welcher 1993 das letzte Mal saniert wurde. Die ganze Anlage ist von Salzwasser zerfressen und jeder Schritt verlangt Vorsicht. Dafür ist der Blick von oben atemberaubend!

Mein Fazit

Eine rundum gelungene Tauchsafari, welche uneingeschränkt empfehlenswert ist.

Gut zu wissen...

Allgemeine Reiseinformationen

Land:Ägypten – Rotes Meer – Südtour ab Port Ghalib
Lage:Staat im nordöstlichen Afrika.
Größe:Mit einer Fläche von 1.001.449 qkm ist Ägypten ca. dreimal so groß wie Deutschland.
Hauptstadt:Kairo
Bevölkerung:ca. 97 Mio. Einwohner
Sprache:Arabisch
Religion:In Ägypten stellen Muslime mit 85 % die Mehrheit dar, 15 % sind christlichen Glaubens.
Geld:Ägyptische Pfund (EGP)
Visum:Mindestens 6 Monate gültiger Reisepass für Besuche bis zu 30 Tagen. Das Visum ist bei der Einreise für 25 $US erhältlich.
Tauchgenehmigung:45 $US
Zeit:MEZ + 1Stunde
Medizinische Hinweise:Hepatitis A (ansteckend) wird dringend empfohlen. Hepatitis B ist zwar nicht zwingend, aber in Kombination mit Hepatitis A nur wenig teurer. Diphtherie, Tetanus und Polio sollten vorhanden sein.
Elektrische Spannung: 220 V

 

Hinweis:
Alle Bilder stammen von Gästen, die gemeinsam mit Silvie auf der Südtour waren. Herzlichen Dank für die Anreicherung des Berichtes um die Fotos.

Fotogalerie

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