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Mexiko – Cenoten – Höhlenfotografie will gelernt sein!

Kunstwerke aus den Cenoten von Manuel Wüthrich

Manuel Wüthrich nimmt uns in seinem Gastbeitrag mit auf seine faszinierende Lernreise der Höhlenfotografie in den Cenoten von Mexiko. Seine Fotos sind wirklich atemberaubend und nehmen dich mit die eine fast unwirkliche Unterwasserwelt.

Kurzportrait Manuel Wüthrich

Milena und Manuel Wüthrich
Milena und Manuel Wüthrich

Fotos u. Text: Manuel
Instagram: @mawu_underwater

Alter:37
Brevet / # Tauchgänge: IDDA Instructor, IART Full Cave, SSI Trimix / #830
Dein aufregendster Tauchgang? Am Wrack der Haven in Genua mit starker Strömung!
Wann und wo warst du zum ersten Mal Höhlentauchen?2020 bei einem Schnuppertauchgang in der Bätterich Höhle im Thunersee
Was macht Höhlentauchen so speziell für dich?Höhlentauchen ist für mich besonders, weil man mystische Orte voller Stille und Geheimnisse entdeckt. Die Vielfalt der Höhlen mit ihren Formen, Lichtspielen und Wegen macht jeden Tauchgang einzigartig.
Was ist deine Lieblingshöhle?Meine Lieblingshöhle ist die Cenote La Concha in Mexiko, die Teil des riesigen Unterwasserhöhlensystems Sac Actun—Dos Ojos—Nohoch Nah Chich ist. Ihre Weite und Schönheit machen jeden Tauchgang dort unvergesslich.
Was sollte jeder Taucher über Höhlentauchen wissen?Jeder Taucher sollte wissen, dass Höhlentauchen viel Respekt, sorgfältige Vorbereitung und innere Ruhe verlangt. Nur so kann man die Faszination der Höhlen sicher erleben.

Das A und O, ein eingespieltes Buddyteam

Das Fotografieren in den Höhlen ist herausfordernd, es ist spannend und definitiv nicht leicht. Ob ein gutes Buddyteam oder das richtige Licht! Jeder geht seinen Weg. Hier ist meiner, den ich nun seit drei Jahren gehe.

Die Unterwasserfotografie begleitet mich bereits länger als das Höhlentauchen: Im Frühling 2022 tauchte ich das erste Mal in einer Cenote in Mexiko ab, im Sommer 2022 folgte dann die Ausbildung zum Full Cave Taucher. Am Ende der Ausbildung war ich sicher genug, meine Kamera mitzunehmen. Dies war jedoch nur Dank eines gut eingespielten Buddyteams möglich, welches seither in den Höhlen von Mexiko aus meiner Frau Milena und unserer Full Cave Ausbildnerin Gabriela besteht. 

Meine Unterwasser-Kameraausrüstung

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich eine Sony RX 100 VII mit Fantasea Gehäuse. Für die Lichtquellen nutzte ich X-Adventure M8000. Als eingespieltes Team, mit grossen Erwartungen und noch grösserer Freude gingen wir an die ersten Fotoshootings heran. Das Ergebnis von unserem ersten Shooting 2022 findest du nachfolgend links.

Mexiko - Cenoten - Höhlenfotografie Manuel Wühtrich
Cenote Nohoch Nah Chich - 2022
Mexiko - Cenoten - Höhlenfotografie Manuel Wühtrich
Cenote Nohoch Nah Chich - 2025

Im Frühling 2025 tauchten wir bereits zum dritten Mal in den Höhlen von Mexiko ab. Im Vergleich zum Foto von 2022, sieht genau die gleiche Szene mit mehr Erfahrung im Jahr 2025 deutlich spannender aus (rechtes Foto).

Der Weg zur Bildsprache unter der Erde

Was sich zwischen diesen beiden Bildern verändert hat, ist nicht nur die Technik – es ist vor allem das Verständnis für Raum, Licht und Teamarbeit. Höhlenfotografie ist keine Disziplin, die man einfach „nebenbei“ lernt. Sie verlangt Geduld, Planung und ein tiefes Vertrauen in das Team. Denn während man an der Oberfläche mit natürlichem Licht und viel Bewegungsfreiheit arbeiten kann, ist man in einer Höhle auf sich selbst und seine Ausrüstung angewiesen – und auf das perfekte Zusammenspiel mit den Buddies.

Mexiko - Cenoten - Höhlenfotografie Manuel Wühtrich

In der ersten Zeit war ich oft frustriert. Die Bilder waren zu dunkel, zu verrauscht oder schlichtweg langweilig. Ich hatte zwar eine gute Kamera, aber ich verstand noch nicht, wie ich das Licht in der Höhle „formen“ konnte. Licht ist in der Höhlenfotografie nicht nur Mittel zum Zweck – es ist das zentrale Gestaltungselement. Es ersetzt die Sonne, es definiert Tiefe, Struktur und Atmosphäre.

Lichtsetzung: Vom Chaos zur Kontrolle

Ein grosser Wendepunkt war der Moment, als ich begann, Licht nicht mehr nur als „Beleuchtung“ zu sehen, sondern als kreatives Werkzeug. Ich experimentierte mit verschiedenen Positionen, Winkeln und Intensitäten. Dabei wurde mir klar, wie wichtig es ist, Schatten zuzulassen, um Tiefe zu erzeugen. Rücklicht (Backshots) half mir, Silhouetten zu schaffen, während Seitenlicht Strukturen hervorhob.

Dabei wurde mir klar: Ohne ein Team, das versteht, was ich vorhabe, geht gar nichts. Milena und Gabriela mussten lernen, wie sie sich im Raum positionieren, wie sie die Lampen halten, wann sie sich bewegen dürfen und wann nicht. Wir entwickelten eine eigene „Sprache“ unter Wasser, bestehend aus Handzeichen, Lichtsignalen und manchmal einfach nur einem Blick.

Mexiko - Cenoten - Höhlenfotografie Manuel Wühtrich

Planung ist alles – und nichts

Natürlich kann man nicht jedes Bild minutiös planen. Höhlen sind unberechenbar. Mal ist das Wasser kristallklar, mal voller Sediment. Mal funktioniert die Technik, mal nicht. Aber eine gute Vorbereitung hilft, mit diesen Unwägbarkeiten umzugehen.
Ich plane heute jedes Shooting mit einem klaren Ziel:

  • Welche Szene will ich einfangen?
  • Welche Stimmung soll das Bild erzeugen?
  • Welche Geschichte soll das Foto erzählen?

Hierfür erstelle ich Skizzen, bespreche mit dem Team die Abläufe und teste das Licht an der Oberfläche. Trotzdem ist jedes Shooting ein Abenteuer. Manchmal gelingt alles auf Anhieb – manchmal braucht es mehrere Tauchgänge für ein einziges Bild.

Die Nachbearbeitung: Vom Rohmaterial zum Kunstwerk

Ein oft unterschätzter Teil der Höhlenfotografie ist die Nachbearbeitung. Die RAW-Dateien, die ich aus der Kamera ziehe, sind nur der Anfang. In Lightroom hole ich Details hervor, gleiche Farbtemperaturen aus, entferne störende Partikel und verstärke gezielt Kontraste. Dabei ist mein Ziel nie, ein „perfektes“ Bild zu schaffen, sondern ein authentisches. Ich will zeigen, wie es sich anfühlt, dort unten zu sein.

Mexiko - Cenoten - Höhlenfotografie Manuel Wühtrich
Aufnahme vor der Bearbeitung, direkt aus der Kamera
Mexiko - Cenoten - Höhlenfotografie Manuel Wühtrich
Finales Bild nach der Bearbeitung am Computer

Meine Unterwasser-Fotoausrüstung

Meine Unterwasser-Kamerausrüstung hat mittlerweile ein kleines Upgrade erhalten. Alle Aufnahmen sind mit folgender Ausrüstung entstanden:

Kamera: Sony RX100Vii  + Weitwinkellinse WWL-C

UW-Gehäuse: Nauticam

Licht: 2x Bigblue CB30000P-II

Was ich gelernt habe

Nach drei Jahren intensiver Arbeit in den Höhlen habe ich viel gelernt – über Technik, über Teamarbeit, über mich selbst!

 Mein wichtigsten Erkenntnisse sind:

  • Geduld ist entscheidend. Gute Bilder entstehen nicht im Vorbeigehen.
  • Vertrauen ist alles. Ohne ein eingespieltes Team ist Höhlenfotografie nicht möglich.
  • Licht ist Kunst. Wer Licht versteht, versteht Fotografie.
  • Fehler sind Lehrer. Jede misslungene Aufnahme bringt mich weiter.
  • Sicherheit geht vor. Kein Bild ist es wert, Risiken einzugehen.
Mexiko - Cenoten - Höhlenfotografie Manuel Wühtrich

Mein Weg geht weiter...

Auch wenn ich heute stolz auf meine Bilder bin – ich weiss, dass ich noch lange nicht am Ziel bin. Die Höhlenfotografie ist ein ständiger Lernprozess. Neue Orte, neue Herausforderungen, neue Ideen. Ich freue mich auf alles, was noch kommt – und darauf, meine Reise mit euch zu teilen.

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