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Buchrezension – „Mit freundlichem Flossenschlag“

Einmal tauchen – immer Tauchen! „Wer dies einmal mit eigenen Augen gesehen hat, kommt davon nicht mehr los.“, so die Autorin Käthe Wickert. Als leidenschaftlicher Taucher kann ich dem nicht widersprechen. Buchrezension

Buchrezension - "Mit freundlichem Flossenschlag"

Inhalt: "Autobiografische Abenteuer-Geschichten"

Wie der Untertitel bereits vermuten lässt, berichtet die Autorin über ihre Reise- und Taucherlebnisse beginnend von den Anfängen ihrer „Taucherkarriere“ mit dem rudimentären Equipment aus jener Zeit bis hin zur erfahrenen Taucherin, die mit ihrer Kamera die Unterwasserwelt auf Filmen festhält.

Collage 30 Jahre Tauchen von Käthe Wickert

Die Autorin hat die faszinierendsten Tauchgebiete rund um den Globus bereist und ist in diversen Meeren abgetaucht.
Auf ihren Reisen hat sie sowohl unter als auch über Wasser viele interessante, spannende, freudige aber auch traurige oder gar gefährliche Situationen erlebt, an denen sie den Leser teilhaben lässt.

Ihre Beobachtungen der Unterwasserflora und -fauna kombiniert sie mit lehrreichen Informationen, die sowohl erfahrenen Tauchern Neues beibringen als auch Taucherneulingen auf verständliche Art und Weise vermittelt werden. Unter all den tierischen Begegnungen bei ihren Tauchgängen hat sie den Rochen als ihr Lieblingstier auserkoren, da sie der „Tanz der Stachelrochen“ tief beeindruckt hat.

Land und Leute, Sitten und Bräuche sowie die Natur faszinieren die Autorin gleichermassen wie die Unterwasserwelt. Ihre einfache Art zu reisen bietet ihr oftmals eine besondere Nähe und Verbundenheit zu den Einheimischen, wodurch sie einen tiefen Einblick in deren Leben vor Ort bekommt. So nimmt sie beispielsweise als Fremde unter lauter Einheimischen an der hinduistischen Cremation eines Verstobenen teil und ist überrascht vom fröhlichen Miteinander der Gemeinschaft. 

Käthe Wickert erzählt nicht nur ihre Erlebnisse, sondern teilt auch viel Wissenswertes über die Unterwasserwelt und die Länder, die sie bereist hat.

Acrylgemälde Stachelrochen von Käthe Wickert

Meine Meinung: "Facettenreiche Tauch- und Reisegeschichten sachlich erzählt"

Die ersten Taucherlebnisse mit rudimentärem Tauchequipment fand ich sehr eindrücklich. Von Geschichte zu Geschichte wird immer deutlicher, das Tauchen zur Leidenschaft der Autorin wird. Ein wenig schade ist, dass die Begeisterung fürs Tauchen nur in wenigen Lesemomenten auf mich überspringt. „Als ich meine Filmleuchte anschaltete, traute ich meinen Augen nicht. Ich dachte ich sähe ein rotgolden glänzendes Feuerwerk vor mir. Rundum war die Höhle mit prächtigen Gorgonien bewachsen…“ Diese Beschreibung der Höhlen auf den katalanischen Medas Inseln entlockte auch mir ein WOW, da muss ich hin! Von diesen Augenblicken hätte ich mir mehr gewünscht. Die oftmals sachlichen Beschreibungen hätten durchaus mehr emotionales Potential.

An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir gewünscht, die Autorin hätte diskussionswürdige Handlungen einfach nicht erwähnt oder zumindest als fragwürdig dargestellt. „Jemand tauchte zu ihm (Anm. dem Manta) ab und berührte ihn.“  Oder auch das Festhalten eines Kugelfisches, der sich zum Schutz aufbläht. So etwas kommt leider tatsächlich immer wieder vor. Unreflektiert animiert es den unerfahrenen Leser allenfalls zur Nachahmung. 

Der Untertitel „Abenteuer-Geschichten“ ist m.E. etwas irreführend. Die Autorin schildert tatsächlich einige abenteuerliche Reisen, jedoch sind diese eher dokumentiert in zeitlicher Reihenfolge der Erlebnisse und Aktivitäten. Mehr im Sinne eines Tagebuches, als einer Geschichte mit gewissem Spannungsbogen oder einer Storyline.
„Es war ein Conger, auch Meeraal genannt, den man nur sehr selten sieht, weil er sehr scheu ist. Er zog sich rasch in seine Höhle zurück, aus der er hervorgekommen war, und war nicht mehr hervorzulocken.
Unsere Spaziergänge waren meist kühl, windig, aber sonnig. Der Frühling meldet sich bereits mit seinen Frühlingsboten, die schon überall zu sehen waren. Das gemeinsame Essen war immer gut in einer fröhlichen Runde.“
Gedanklich bin ich noch beim seltenen Conger unter Wasser, dann stehe ich plötzlich im kühlen Frühlingswind und im nächsten Moment sitze ich beim gemeinsamen Abendessen. An solchen Stellen mangelt es mir ein wenig am Lesefluss.

Besonders interessant wird es immer dann, wenn die Autorin von nicht alltäglichen Begegnungen in der Unterwasserwelt berichtet. Wie z.B. die Entdeckung einer Seefledermaus auf Juventud in Kuba oder dem Tanz der Stachelrochen, von dem die Autorin so beeindruckt ist, dass sie den Rochen sogar in einem goldenen Kettenanhänger modelliert und zu ihrem Lieblingstier bestimmt.

Die Autorin versteht es ihre Beobachtungen im Meer einfach, verständlich und fundiert zu beschreiben. So lernt der Leser – selbst ich mit meinen weit über 500 Tauchgängen – sehr viel über die Lebewesen der Unterwasserwelt dazu. So zum Beispiel, dass Gitarrenrochen ihre Eier bereits im Körper entwickeln und dann die geschlüpften Jungen lebend gebären. 

„Ein tiefer Felsenspalt… Ich falle nicht in diese Tiefe hinein, … Dabei empfinde ich das besondere Gefühl des Tauchens und bin dankbar, mich in diesem fremden Element aufhalten zu können.“ Mit solchen Aussagen schafft es die Autorin immer wieder die Besonderheit des Tauchsports hervorzuheben und Vorfreude auf mein eigenes nächstes Taucherlebnis zu wecken.

Nebst den Taucherlebnissen haben mich vor allem auch die Begegnungen und Erlebnisse der Autorin mit Menschen anderer Kulturen fasziniert. Die Nähe zu diesen Menschen, selbst wenn eine Verständigung nur mit Gesten möglich war, hat mich sehr beeindruckt. Eine private Einladung zum Essen, Kinder, die mit auf das Segelschiff gekommen sind oder eben die Teilnahme als Fremde an einer hinduistischen Bestattungszeremonie verschaffen der Autorin tiefe Einblicke in die Sitten und Bräuche anderer Kulturen. Dies sind genau die Erlebnisse auf Reisen, die man nie mehr vergisst. 

Die Kombination aus unvergesslichen Tauch- und Reiseerlebnissen fasziniert mich seit meinen ersten Taucherlebnissen 1997 in Australien. Viele meiner eigenen Erlebnisse sind beim Lesen des Buches von Käthe Wickert wieder präsent geworden, was ich persönlich als sehr schönen Nebeneffekt empfunden habe und was anderen Tauchern beim Lesen sicher ähnlich ergehen wird.

Tauchfoto Käthe Wickert

Fazit: "Leichte Kost im Tagebuchstil"

Ein Buch, das deutlich macht wie vielfältig und faszinierend die Unterwasserwelt ist. Erfahrene Taucher werden an eigene Erlebnisse erinnert oder gewinnen Interesse an unbekannten Tauchgebieten. Weniger erfahrene Taucher lernen eine Menge über Fauna und Flora unserer Meere. Besonders ergreifend sind insbesondere auch viele der Erlebnisse auf Reisen. „Mit freundlichem Flossenschlag“ ist leichte Kost im Tagebuchstil. Ein Buch, dass nicht bis in die Haarspitzen fesselnd ist, dass man aber einfach mal an die Seite legen und wieder hervorholen kann, wenn man Lust auf ein neues interessantes Tauchreiseerlebnis verspürt.

PRO

CONTRA

Meine Bewertung
3/5

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