Reisen – Zypern – „Tauchen mit Soldat Herbie“

Reisen – Zypern – „Tauchen mit Soldat Herbie“

Einst als Soldat auf Zypern stationiert, zeigt Herbie mittlerweile seit 29 Jahren seinen Tauchgästen die Unterwasserwelt auf Zypern. Mit geschultem Auge entdeckt er bestens getarnte Seepferdchen oder er navigiert mit störrischer Ruhe durch die finstersten Gänge im Zenobia Wrack. Vom Soldat zum Tauchlehrer mit Herz und Seele.

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Zypern – „Tauchen mit Soldat Herbie“ ist auch in der Januar 2020 Ausgabe der EURODIVER erschienen.

Der Wärme entgegen - Zypern in den Herbstferien

In die Wärme soll es gehen. Das grenzt die Tauchdestinationen im Mittelmeerraum Ende September bis Mitte Oktober schon ein wenig ein. Meine Wahl fällt auf Zypern. Die nach Sizilien und Sardinien drittgrößte Mittelmeerinsel ist seit 1974 de facto geteilt. Der eigenständige Inselstaat Republik Zypern im Süden und im Norden die Türkische Republik Nordzypern, welche lediglich von der Türkei anerkannt wird. Aus Überzeugung ist für mich klar, dass es in den Süden geht.

Die Hotelsuche auf Booking.com Anzeige beginnt mit einem kleinen Schock: „An den von Ihnen gewählten Daten ist Zypern bei Reisenden sehr beliebt (94 % bereits gebuchte Unterkünfte).“ Ups! Geübte Eltern wissen es sicher besser, dass man Herbstferien nicht erst 3 Wochen vor Beginn buchen sollte. Die verbleibenden Unterkünfte sind mir einfach zu teuer. Also rufe ich bei Herbie, dem Inhaber der Tauchbasis Herbie’s Diving Paradise an, ob er weiterhelfen kann. Obwohl er gerade viele Gäste hat, bietet Herbie sofort seine Unterstützung an. Am nächsten Tag hat er mir bereits ein Zimmer im Appartment Hotel DebbieXenia organisiert. Einfach, aber günstig. Das passt für mich, schließlich möchte ich tauchen und keinen Wellnessurlaub machen.

Die Flugbuchung verläuft angesichts der späten Buchung auch eher mühsam. Der Hinflug ist schnell gebucht, der Rückflug leider nur noch als Stopp-Over via Wien möglich, dafür aber bezahlbar.

Mein Tipp:
Wenn du planst, in den Herbstferien auf Zypern noch etwas Sonne zu tanken, solltest du dich frühzeitig um Hotel und Flüge kümmern!

Seit langem habe ich mal wieder einen Flug mit Condor gebucht. Puh, das war mühsam. Auf dem Buchungsportal konnte ich nur den „nackten“ Flug mit Handgepäck buchen. Check-in Gepäck für 29,99 EUR musste ich separat auf der Seite von Condor zubuchen. Ebenso das Tauchgepäck, das mit 54,99 EUR nicht gerade zum Schnäppchenpreis befördert wird. Zu allem Übel meldet die Webseite beim Zahlungsprozess einen Fehler. Da Condor mir telefonisch und per Email jedoch die Zusatzbuchungen bestätigt, mache ich mir keine weiteren Gedanken. Beim Online-Check-in 24 Std. vor dem Flug die nächste Überraschung. „Check-in nicht möglich, da Buchungsoptionen noch nicht bezahlt sind.“ Aha!? Das Gleiche dann beim Check-in am Flughafen, bis ich beim Supervisor endlich meine Boardingcard erhalte.

Comedy beim Flugsicherheitscheck

Jetzt bin ich echt urlaubsreif! Im Flieger dann das erste positive Condor-Erlebnis. Der Kabinenchef sorgt mit seiner Ansage beim Flugsicherheitscheck für allgemeine Erheiterung. An ihm ist wirklich ein guter Comedian verloren gegangen. Statt gähnender Langeweile gibt es einen Lacher nach dem anderen und zum Schluss Szenenapplaus der Fluggäste.

Bei der Landung geht es direkt weiter: „Bitte lassen Sie die Handys im Flugmodus und genießen Sie noch ein paar Minuten [mit mystisch flüsternder Stimme] die U N E R R E I C H B A R K E I T.“

Die Passkontrolle ist weniger lustig und dauert ewig. Zum ersten Mal sehe ich eine „Self Pass Control“. Mich schickt eine Bedienstete jedoch zur klassischen Kontrolle. Ich beobachte, wie andere Fluggäste ihren Ausweis auf einen Scanner legen, vom Automaten fotografiert werden und anschließend einen Ausdruck in den Händen halten. Allerdings müssen auch sie sich danach noch anstellen und den Ausdruck vorweisen. Ich habe dummerweise eine kurze Schlange gewählt in der 6 Ägypter vor mir waren. Wie auch meistens an der Kasse im Supermarkt, die falsche Entscheidung. Während in der Schlange nebenan bestimmt 50 Personen kontrolliert werden, dauert es in meiner Reihe eine Ewigkeit.

Mein Tipp:
Wähle auf jeden Fall die Schlange für EU- / CH-Bürger und nicht einen Schalter, der mit All-Passports bezeichnet ist. Die Self-Scan Automaten, kannst du dir ebenfalls getrost sparen, denn auch dort musst du noch durch die Kontrolle.

Herbie's Diving Paradise

Am Internationalen Flughafen Larnaca erwartet mich Herbie bereits. Auf dem ca. 45 minütigen Transfer vom Flughafen nach Protaras erzählt mir Herbie eine Menge über die Insel und wie er nach Zypern gekommen ist. Mir wird schnell klar, dass Herbie ein Vollbluttaucher aus tiefster Leidenschaft ist. „Meine Basis ist das ganze Jahr über 7 Tage die Woche geöffnet. Ein Tag, an dem ich nicht tauche, ist ein verlorener Tag.“ sagt er. Mit seinen 66 Lenzen sprudelt er nur so vor Energie.

Ursprünglich ist Herbie als Soldat mit dem Militär für die UNO auf Zypern stationiert gewesen. Seit 28 Jahren führt er nun Herbies Diving Paradise. Herbie ist besonders stolz darauf, dass selbst die Zyprioten zu ihm kommen. Es ist ihm eine Ehre, dass viele Einheimische ihre Kinder bei ihm ausbilden lassen. Herbie hat Pernera ganz bewusst als Standort für seine Tauchbasis gewählt. „Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und vor der Standortwahl überall auf der Insel getaucht“, verrät er mir. „Die Küste ist hier selten dem Wind ausgesetzt, der zu 80% aus westlicher Richtung weht. Wir können daher auch immer gut mit Anfängern tauchen gehen.“

Herbies Diving Paradise ist klein aber fein. In wenigen Minuten erreicht man die Basis vom Zentrum in Pernera zu Fuß. Mein erster Blick in einer Tauchbasis gilt immer dem Equipment, obwohl ich mein eigenes habe. Wenn das Equipment einen gepflegten Eindruck macht, ist das schon die halbe Miete. Bei Herbie hängen einige nigelnagelneue Jackets und auch die Anzüge machen einen guten Eindruck. Die andere Hälfte der Miete macht das Personal aus. Hier ist Herbie noch Soldat, mit mehr als klarer Linie. „Mir kommt nur vernünftiges Staff (Personal) ins Haus. Ansonsten fahre ich die Basis lieber auf 50%, wie zur Zeit.“ sagt Herbie mit nachdrücklicher Stimme. Qualität ist das A und O in seiner Basis, da kennt er kein Pardon! Eine Einstellung, die mir als Tauchgast sehr entgegen kommt.

DebbieXenia Apartment Hotel

Meine Unterkunft im DebbieXenia Apartment Hotel Anzeige ist schnell beschreiben: „günstig, extrem einfach, gute Lage“ Und damit ist quasi alles gesagt. Vielleicht nicht ganz alles. Der Chef des Hotels, ein älterer charmanter Herr, hat immer ein Lächeln im Gesicht und fragt regelmäßig nach meinem Wohlbefinden. So fühle ich mich hier herzlich willkommen. Falls du einen Tauchurlaub planst und einfach nur eine günstige Unterkunft benötigst, ist das DebbieXenia Anzeige eine gute Wahl. Die Zimmer sind geräumig, bieten 3 Schlafplätze und sind sauber. Das Schlafzimmer ist klimatisiert – bei Temperaturen um 34°C Ende September ein wichtiges Detail. Die Küchenzeile ist  eher dürftig eingerichtet. Zwei Kochplatten, ein Kühlschrank und ein Wasserkocher. Für einen Kaffee am Morgen und eine Portion Spaghetti am Abend reicht es. Ein 3 Gänge Menü würde ich eher nicht einplanen.

Die Lage ist allerdings wirklich gut. Zur schöne kleinen Badebucht Kalamies sind es nur ca. 300 m zu gehen. Direkt um die Ecke befindet sich ein Supermarkt. In einer ruhigen Seitenstraße gelegen, sind es nur zwei Minuten zu Fuß zum Zentrum, wo es reichlich gute Restaurants gibt. 

Vor allem der Knights Pub Anzeige ist hervorzuheben. Zwar wirkt der Pub wie eine Sportsbar, in der es nur Snacks gibt, tatsächlich wird jedoch hervorragendes Essen serviert. Das Knoblauchbrot mit Käse überbacken ist ein Gedicht, und das Black Angus Steak mit Folienkartoffel ist zart und perfekt nach Wunsch zubereitet. Der Koch versteht was von seinem Handwerk.

Die Green Bay I und II bieten Abwechselung für jeden Taucher

Für den ersten Tauchtag soll es heute ein easy Dive zum entspannten Eintauchen sein. Herbie schlägt die Green Bay vor. Von der Basis aus erreichen wir die Green Bay in nur 5 Minuten mit dem Pickup. Schon der Einstieg ist bequem, denn wir parken direkt daneben. Mit meinem 5 mm Tauchanzug fühle ich mich bei 29°C Wassertemperatur wie in der Sauna. Morgen muss definitiv ein Shorty her. Der für mich überraschend hohe Salzgehalt erfordert deutlich mehr Blei als üblicherweise im Mittelmeer. Der Grund liegt darin, dass es einen regelmäßigen Wasseraustausch mit dem sehr salzhaltigen Roten Meer gibt. Herbie erzählt mir, dass es Tage gibt, an denen er plötzlich 2-3 kg mehr Blei benötigt, wenn es einen starken Schub aus dem Roten Meer gegeben hat.

Langsam tauchen wir aus der seichten Bucht heraus und überqueren einen Felswall, hinter dem eine Überraschung wartet. Griechische Säulen und Statuen stehen wie in einem kleinen Unterwassermuseum auf dem weißen Meeresgrund. Nachdem Herbie auf der Pferdestatue sein Lasso geschwungen hat, tauchen wir weiter über den spärlich mit Seegras bewachsenen Grund. Dies ist offensichtlich der ideale Lebensraum für Mangrovenquallen, die alle paar Meter pulsierend auf dem Boden verweilen. Eine interessante Quallenart, die ich bis heute noch nirgends gesehen habe. Das spezielle an dieser Qualle ist, dass sie nicht umhertreibt, sondern auf dem Meeresboden lebt und ihre Tentakeln nach oben Richtung Sonne gewandt sind. Die Mangrovenqualle steht quasi Kopf, was ihr den englischen Namen Upside Down Jellyfish einbrachte.

Etwas weiter vergnügt sich ein süßes kleines schwarzes Seepferdchen auf dem Meeresgrund. Es ist immer wieder eine wahre Wonne, die wie Fabelwesen wirkenden Seepferdchen zu beobachten.

Den zweiten Tauchgang absolvieren wir ebenfalls in der Green Bay, diesmal aber auf einer etwas anderen Route. Knapp unter der Wasseroberfläche tauchen wir durch bizarre Felsformationen und kleine Canyons, während die Sonnenstrahlen durch das klare Wasser tänzeln. Aus den schattigen Felslöchern schauen uns immer wieder Feuerfische mit weit aufgefächertem Stachelkleid an. Kleinere und größere Fischschwärme kreuzen unseren Weg, und ein stattlicher Flötenfisch gibt ebenfalls ein Stelldichein. In einem kleinen Seegrasfeld kommt mir ein „Blatt“ etwas seltsam vor. Das muss ich mir genauer ansehen. Tatsächlich eine perfekt getarnte Grasnadel, die von den Seegrasblättern kaum zu unterscheiden ist.

Als wir auftauchen, zeigt mein Tauchcomputer 83 Minuten an. Die Zeit ist nur so verflogen und ich hätte durchaus noch länger in der Green Bay verweilen können. Allerdings brauchte Herbie jetzt dringend seinen Sauerstoffstengel – wie er galant sein Zigarette bezeichnet -, der zu Herbie gehört wie das Tauchen. Wenn ich es mir recht überlege, hat er entweder einen Atemregler oder einen Sauerstoffstengel im Mund. Herbie hat hierfür auch eine sehr plausible Erklärung: „Wenn ich mit dem Rauchen aufhören würde, bräuchte ich noch weniger Luft und dann will niemand mehr mit mir tauchen gehen.“ 🙂

Zurück am Pickup wird Herbie quasi von jedem Tauchlehrer, der aus dem Wasser kommt, begrüßt. Ich frage ihn, ob es auch jemanden gibt, der ihn nicht kennt. „Fast jede Tauchbasis hat einen Tauchlehrer, den ich ausgebildet habe.“ ist seine erklärende Antwort.

Der Zuckerhut am Cape Awkward

Von der Tauchbasis erreichen wir Cape Awkward in gut 5 Minuten über eine Schotterpiste. Herbie parkt den Pickup oberhalb des Einstiegs, der sich an einem kleinen natürlichen Pool befindet. Über einen sandigen, mitunter rutschigen Weg, gehen wir zum Pool hinunter und steigen über eine kleine Stufe im Felsen ein. Wir tauchen an vom Meer wohlgeformten Felsformationen vorbei, von denen eine an den Zuckerhut in Rio de Janeiro erinnert.

Aus einer löchrigen Felswand hängt kopfüber eine gelb gefleckte Moräne. Als würde sie jemand langsam am Schwanz ziehen, gleitet sie rückwärts zurück in das Loch, aus dem sie herausschaut. In einer Felsspalte scheint der Feuerfisch Meeting Point zu sein. Mit ihren langen Giftstacheln und ausgespreizten Flossen schmiegen sich die Feuerfische an die Felswand oder den Grund. Umsichtig schaue ich immer wieder in alle Richtungen, um zu vermeiden plötzlich nähere Bekanntschaft mit einem der spitzen Stachel zu machen.

Seepferdchen inmitten von kleinen Kugelfischen und Rotmeerbarben

Der Tag ist schon weit fortgeschritten. Katja, die Partnerin von Herbie, hatte mir am Vortag von einem Tauchplatz erzählt, an dem sie bei einem Tauchgang bei 25 Seepferdchen zu zählen aufgehört hat. Anscheinend gibt es dort eine Pflanze am Meeresgrund, welche die Seepferdchen ganz besonders mögen. Natürlich kann ich mir diesen Tauchspot nicht entgehen lassen. Trotz fortgeschrittener Stunde fahren wir noch zur Ayias Triadas oder auch Seahorse Bay genannt. Katja warnt mich noch scherzhaft vor der Gefahr eines Tiefenrausches, da der Tauchgang sehr flach ist.

Am Tauchplatz angekommen, tauchen wir zwischen den Badegästen ab. Das Wasser gleicht einer ziemlich trüben Suppe und ich hoffe, dass es weiter draußen besser wird. Glücklicherweise erfüllt sich mein Wunsch. Dafür schaut mich Herbie mit großen Augen und ungläubigen Gesten an. Wenn ich ihn recht verstehe, will er mir sagen, dass die Felder mit der speziellen Pflanze wie vom Erdboden verschwunden sind. Herbie wäre nicht Herbie, wenn er aufgeben würde. „Aufgeben tut man einen Brief auf der Post“, erwähnt er immer mal wieder. Und tatsächlich wird Herbie bald fündig. Wir entdecken vereinzelt Seepferdchen, die sich um kleine Grashalme winden.

Während ich eines der süßen Seepferdchen beobachte, jagen kleine Geschwader von Rotmeerbarben auf Suche nach Nahrung über den sandigen Grund. Mindestens ebenso viele kleine weißgefleckte Kugelfische sausen kreuz und quer umher und schauen ab und an neugierig in meine Kamera.

Mittlerweile ist es unter der Wasseroberfläche recht düster geworden, und als ich auftauche, ist die Sonne längst dem Abendrot am Horizont gewichen.

Ein Tattoo der Leidenschaft

Dass Herbie aus Leidenschaft taucht, ist unübersehbar. Viele seiner Kunden halten ihm bereits über etliche Jahre die Treue. Bevor wir uns heute mit dem Zodiac auf den Weg zur Liberty machen, lerne ich Sophie und ihre Eltern kennen. Sie tauchen seit Jahrzehnten bei Herbie und sind auf ein Pläuschchen zum Anleger im übersichtlichen Hafen von Pernera vorbei gekommen. Sophie besticht nicht nur durch ihre herrlich erfrischende Art und sympathische Ausstrahlung, sie trägt auch ihre Leidenschaft auf dem Körper. Das Tattoo einer Taucherin. Das nenne ich echte Tauchleidenschaft.

Auf den Spuren von Captain Jack Sparrow

Das Wrack der Zenobia – mehr dazu im nächsten Beitrag –  ist definitiv ein Highlight für Taucher. Davon abgesehen gilt Zypern in Taucherkreisen nicht unbedingt zu den Traumdestinationen. Bei meiner Recherche über die Tauchplätze rund um Zypern bin ich auf zwei weitere Wracks aufmerksam geworden. Die Liberty und die Nemesis III. Beide Wracks wurden nur einige hundert Meter vom kleinen Hafen in Pernera versenkt, um einerseits weitere Tauchattraktionen zu schaffen und andererseits das maritime Leben zu fördern. 2011 wurde zunächst die Liberty auf den ewigen Meeresgrund verbannt. Lediglich zwei Jahre später und nur ca. 100 – 150 m entfernt hat die Nemesis III das gleiche Schicksal erlitten.

Mit dem „Wassertaxi“ von Grant Handley düsen wir über das spiegelglatte Meer in höchstens fünf Minuten zur Boje, die den Standort der Liberty markiert. Der kurze Bootstrip wird von der Grants on board ActionCam dokumentiert und auf Facebook veröffentlicht. An Bord also immer gut benehmen ;-).

Mit einer Rolle rückwärts lasse ich mich ins tiefblaue Wasser fallen. Herbie und ich tauchen in die Tiefe hinab. Ich wundere mich ein wenig über den schnellen Abstieg von Herbie und muss kopfüber ein paar Flossenschläge machen, um ihm folgen zu können. Schnell erreichen wir die kleine Brücke am Heck der Liberty in ca. 20 m Tiefe. Ich tauche in die Brücke hinein und erinnere mich an das Briefing von Grant: „Vorsicht in den Räumen. Hier sind viele Feuerfische zu Hause, die besonders gern unter der Decke kleben.“t

Entsprechend umsichtig bewege ich mich in dem kleinen Raum, in dem sich tatsächlich zwei Feuerfische aufhalten. Aus der Tür heraus tauche ich backbordseitig bis zum Bug nach vorn, wo ein langer Algenbart die Liberty ziert. Auf der Steuerbordseite führt uns der Weg wieder zurück zum Ausgangspunkt an der Kapitänsbrücke.

Beim Sicherheitsstopp auf 5 Metern habe ich plötzlich unheimlich Mühe die Tiefe zu halten. Es ist mir unerklärlich, denn ich habe nichts an meinem Setup geändert. Beim Griff zu meinen Bleitaschen überkommt mich ein Lachkrampf und Herbie schaut mich verdutzt an. Ich signalisiere Herbie, dass ich mein Blei vergessen habe. Auch Herbie kann sich ein Grinsen nicht verkneifen und mir wird schlagartig klar, warum das Abtauchen bereits ein wenig mühsam war. Zum Glück ist es nicht weit zur Bojenkette, wo ich mich festhalten kann. Den Safetystop können wir so entspannt durchführen und anschließend auftauchen. Vom Schlauchboot aus begrüßen mich Divemaster Max und Kapitän Grant bereits mit ungläubigem Blick, breitem Grinsen und meinen Bleitaschen in der Hand.

Die Oberflächenpause verbringen wir direkt im Hafen von Pernera, wo gerade eine Arbeitsplattform hergerichtet wird. Herbie erklärt mir, dass der Hafenbereich deutlich vergrößert wird und die Arbeiten hierfür nun beginnen. Nach 90 Minuten bringt uns Grand wieder raus zur Nemesis III. Diesmal tauche ich mit Blei ab und kann Herbie auch wieder gut folgen. Die Sicht ist so gut, dass die Nemesis III mitsamt ihren Aufbauten bereits von oben gut erkennbar ist. Obwohl es sich nur um ein kleines Fischerboot handelt und nicht um die berüchtigte Black Pearl, erinnert mich der in die Höhe ragende Mast im vorderen Bereich an die Szene aus „Die Piraten der Karibik„, als Kapitän Jack Sparrow vom Mast seines sinkenden Schiffes an Land geht.

Die Nemesis ist deutlich weniger bewachsen als die Liberty. Der Schriftzug Nemesis III ist am Kapitänshäuschen noch gut zu lesen. Das Wrack ist, wie auch die Liberty, aufgrund der moderaten Tiefe (maximal 24,4 m) und der sehr guten Sichtverhältnisse sehr einfach zu betauchen. Über einen kurzen Gang gelangen wir in einen Raum mit Rollen und Zahnrädern, mit denen vermutlich einst die Fischernetze ausgelegt und eingezogen wurden. Ein Schwarm Soldatenfische sucht hier Schutz vor größeren Räubern. Durch den gegenüberliegenden Gang tauchen wir wieder aus dem Raum heraus. Von hier umkreisen wir das Heck des Wracks und treten über das Deck hinweg langsam den Aufstieg an.

Nun heißt es adieu Nemesis… Ein würdiger Abschlusstauchgang von vier fantastischen und überraschend abwechslungsreichen Tauchtagen mit Herbie.

Mein Taucherfazit

Vier Tage tauchen waren einfach zu wenig. Mit Herbie zu tauchen macht einfach nur mega viel Spaß. Das einzig blöde ist, dass irgendwann die Flasche leer ist 😉 Zumindest meine, Herbies scheint endlos Luft zu haben. Mit Ausnahme der Zenobia – über die du in meinem nächsten Artikel mehr erfährst -, sind die Tauchplätze alle sehr schnell mit dem Pickup von der Basis aus zu erreichen. So ist es auch für Taucher mit Familie gut möglich einzelne Tauchgänge zu machen, ohne gleich den ganzen Tag abwesend zu sein. Das Tauchen an sich ist sehr einfach und es gibt Tauchplätze für jedes Level. Zudem wird es nie langweilig. Die verschiedenen Tauchplätze sorgen für reichlich Abwechslung, vom süßen Seepferdchen über griechische Statuen hin zum überwältigenden Wrack der Zenobia.
Wenn dir jemand die Unterwasserwelt auf Zypern zeigen kann, dann ist es sicher Herbie. Mir bleibt nur ein großes Dankeschön an Katja, Max und Herbie für die fantastischen Tauchgänge, den tollen Service und die angenehme Atmosphäre fernab jeder Hektik.

Beste Reisezeit - Zypern / Protaras

Das Klima auf Zypern ist subtropisch mediterran. Die Sommer sind heiß und sehr trocken, die Winter sehr mild und etwas feuchter.

Grundsätzlich lässt sich Zypern das ganze Jahr über gut bereisen. Aufgrund der für das Mittelmeer verhältnismäßig hohen Wassertemperaturen kannst du ganzjährig dort tauchen. Ab Juni bis Ende Oktober herrschen perfekte Wassertemperaturen zum Tauchen. Allerdings solltest du beachten, dass es in Hochsommer (Juli / August) extrem heiß wird.

Die angenehmsten Temperaturen triffst du zwischen März und Mai sowie September und Oktober an.

Mein Fazit für Taucher

Die beste Reisezeit für Taucher ist meiner Meinung nach von Anfang September bis Ende Oktober. Die Temperaturen sind angenehm warm und es reicht ein Shorty im Reisegepäck.

Klimatabelle

Gut zu wissen...

Land: Republik Zypern
Lage: Die Insel Zypern liegt im östlichen Mittelmeer. Der südliche Teil, der in einen zypriotischen und türkischen Teil, geteilten Insel bildet die Republik Zypern.
Geographisch gehört Zypern zu Asien, politisch und kulturell wird sie jedoch zu Europa gezählt.
Größe: ca. 1.2 Mio. Menschen leben auf der 9.251 km² großen Insel. Die Fläche der Republik Zypern umfasst dabei 5.896 km². Hier Leben ca.850.000 Menschen.
Hauport: Nikosia (auch die Stadt ist geteilt)
Sprache: Landessprachen sind Griechisch und Türkisch, wobei als Mundart Zypriostisch gesprochen wird. Auch Englisch ist aufgrund der Kolonialzeit weit verbreitet.
Geld: EUR
Visum: Für EU-Bürger und Schweizer wird kein Visum benötigt. Ein gültiger Reisepass oder Personalausweis ist ausreichend.
Tauchgenehmigung: nicht erforderlich, jedoch gesundheitliche Tauchtauglichkeitsbescheinigung zwingend vorgeschrieben
Zeit: MEZ + 1 Std.
Medizinische Hinweise: Keine besonderen Empfehlungen (ohne Gewähr). Aktuelle Informationen bitte beim Arzt erfragen.
Elektrische Spannung: 220 V – Euro-Stecker funktionieren ohne Adapter, wenn man den Schutzkontakt mit einem dünnen Gegenstand  zurück drückt. Besser ist jedoch die Verwendung eines Adapters. Deutschen Schuko-Stecker und Schweizer Stecker benötigen zwingend einen Adapter
Information im Web: Tauchcenter: www.herbiesdiving.com

Hinweis: Die Tauchgänge wurden von Herbies Diving Paradise unterstützt. Alle Eindrücke sind wie immer die unseren, darauf kannst du zählen!

Fotogalerie

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