Publikation im Tauchmagzin „SeaStar“

Zum Interview mit Tauchschülerin Anette

Allgemeine Reiseinformationen

Land: Malta
Lage: Staat im nordöstlichen Afrika.
Größe: Die maltesischen Inseln liegen im Mittelmeer etwa 95 km südlich von Sizilien, 290 km östlich von Tunesien und 360 km nördlich von Libyen am
östlichen Ende der Straße von Sizilien. Die drei größten Inseln Malta (246 qkm), Gozo (70 qkm) und Comino (3 qkm) sind bewohnt.
Hauptstadt: Valletta
Bevölkerung: ca. 406 Tausend Einwohner
Sprache: Maltesisch, Englisch
Religion: Die Mehrheit der maltesischen Bevölkerung (98 %) ist römisch-katholisch. Daneben gibt es nur einige wenige Protestanten, Orthodoxe, Juden und Muslime.
Geld: Seit Anfang 2008 hat auch Malta den Euro eingeführt.
Visum: Die Einreise nach Malta ist mit einem gültigen Reisepass oder Personalausweis möglich.
Tauchgenehmigung: 45 $US
Zeit: mitteleuropäische Zeit (MEZ)
Medizinische Hinweise: Es sind keine spezifischen Impfungen vorgeschrieben (ohne Gewähr). Akutelle Informationen vor der Reise einholen.
Elektrische Spannung:     220 V
Information im Web:         www.maltaqua.com

 

 „Tauchen lernen im Ausland?“

Eintauchen in die Faszination der Unterwasserwelt! In den vergangenen Jahren hat der Tauchsport viele neue Freunde gewonnen und das Interesse an der dem Menschen noch weitgehend unbekannten Unterwasserwelt ist weiter im Aufwärtstrend. Doch wo die ersten Schritte oder besser gesagt, die ersten Flossenschläge wagen?

Diese Frage stellen sich viele Anfänger. Häufig ist es eine spontane Entscheidung im Urlaub, im  Sinne von „Gelegenheit macht Taucher.“ Doch was tun, wenn man sich bewusst für eine Tauchausbildung entscheidet und sich fragt, ob man diese in der Heimat oder im Ausland anstreben möchte?

Vorab sei erwähnt, ein richtig oder falsch gibt es hier nicht. Vielmehr sind die individuellen Bedürfnisse entscheidend.

So stellt sich beispielsweise die Frage, ob man bereit ist im Urlaub mindestens 5 Tage für die Tauchtheorie und die praktische Ausbildung zu ‚opfern’ oder dies zu Hause tut, um im Urlaub gleich vom Tauchvergnügen profitieren zu können. Andererseits kann das Lernen am Strand auch entspannter sein, wenn dies fern ab vom daily business erfolgt.

Neben den persönlichen Vorlieben sollten jedoch einige Punkte geklärt werden, wenn eine Ausbildung im Ausland bevorzugt wird. Um im Urlaub keine unliebsamen Überraschungen zu erleben, sollte man sich hierfür auf jeden Fall schon vor dem Urlaub Zeit nehmen.

Die nachfolgende Checkliste sollte bei der Entscheidung behilflich sein:

– Welche Ausbildungen bietet die Tauchschule an?
=> Schnuppertauchen, Anfänger-, Fortgeschrittenen-, Spezialkurse

– Welchem Tauchverband gehört die Tauchschule an?
=>  Die bekanntesten sind sicher PADI, CMAS, SSI

– Werden deutschsprachiges Kursmaterial und eine Prüfung auf Deutsch angeboten?

– Gibt es deutschsprachige Tauchlehrer?

– Ist eine ärztliche Tauchtauglichkeitsbescheinigung vorhanden?

– Was kostet die Ausbildung?

– Wie viel Zeit wird im Urlaub für den Kurs benötigt?

– Wie viele Tauchschüler sind maximal in einem Kurs bzw. wie ist das Verhältnis Tauchlehrer / Tauchschüler?

– Wie ist der Ablauf des Kurses?

– Finden die Übungen direkt im Meer oder zunächst im Schwimmbecken statt?

– Kann der Kurs ggf. flexibel an die individuellen Rahmenbedingungen des Urlaubs angepasst werden?

– Gibt es einen Shuttle-Service zum Hotel?

– Ist die Jahreszeit am geplanten Urlaubsziel günstig zum Tauchen?

Ein Gefühl für die Tauchbasis einholen (Forum: www.taucher.net; Direktkontakt mit der Basis).

Die erste Fragestellung ist meist der Preis. Häufig ist dieser ein besonderer Anreiz, die Ausbildung im Ausland zu machen. Allerdings sollte der Preis allein nicht ausschlaggebend sein.

Tauchen ist grundsätzlich eine sichere Sportart, sofern man die spezifischen Bedingungen in der Tiefe versteht und beachtet. Ein Fehlverhalten kann durchaus zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Eine gute Ausbildung ist daher das A und O, um die Tiefen der Meere mit einem sicheren Gefühl im Bauch genießen zu können.

Welche Möglichkeiten bieten sich nun, um aus der Ferne zumindest ein gutes Gefühl für die Qualität einer Tauchbasis zu bekommen? Selbstverständlich ist das Internet hier eine große Hilfe. Meist ist es recht einfach, per Suchmaschine Tauchbasen in dem gewünschten Urlaubsziel ausfindig zu machen. Einen ersten Eindruck von der Tauchbasis kann man sich i.d.R. schon auf deren Homepage machen. Diese beantwortet auch häufig schon eine Reihe der in der Checkliste aufgeführten Fragestellungen.

Eine weitere wichtige Quelle sind Taucherforen im Internet, wie z.B. www.taucher.net Hier findet sich kaum eine Tauchbasis, zu der es keinen Erfahrungsbericht gibt. Zudem gibt es die Möglichkeit, direkte Fragen an das Forum zu senden.

Last but not least, sollte man sich nicht davor scheuen, den direkten Kontakt zu suchen. Via Telefon oder Email bekommt man schon einen ersten Eindruck, wie bemüht die Tauchbasis ist und welchen Service man dann auch vor Ort erwarten darf.

Sofern die persönlichen Urlaubsplanungen wenig Zeit für die Ausbildung lassen, macht es beispielsweise Sinn, die Restriktionen der Tauchbasis mitzuteilen und vorab einen möglichen Ablauf mit der Tauchschule abzustimmen. Hier zeigen sich oft bereits erhebliche Unterschiede in der Flexibilität und der Bereitschaft auf Kundenbedürfnisse einzugehen.

Auch die Frage nach deutschsprachigen Tauchlehrern in dem geplanten Zeitraum sollte man bei Bedarf direkt an die Tauchbasis richten. Tauchlehrer sind üblicherweise Saisonangestellte. Es ist also durchaus denkbar, dass gerade zu Beginn oder zum Ende einer Saison kein deutschsprachiger Tauchlehrer verfügbar ist, auch wenn dies z.B. noch auf der Homepage so verzeichnet ist. Kurs- und Prüfungsunterlagen sind ebenfalls noch kein ausreichender Hinweis darauf, dass man sich über Wasser auf Deutsch mit dem Tauchlehrer unterhalten kann.

Um die Eindrücke einer Ausbildung im Ausland aus erster Hand zu erfahren, begleitete SeaStar Tauchschülerin Anette aus Deutschland während Ihrer Ausbildung zum Open Water Diver (OWD) bei Maltaqua auf Malta.

Die Auswahl einer geeigneten Tauchbasis war der erste Schritt für Anette. Nach Kontakten zu mehreren Tauchbasen fiel die Wahl auf Maltaqua. Sie haben sich sehr bemüht, den OWD-Kurs an Anettes Bedürfnisse anzupassen. Ein positiver Nebeneffekt war zudem, dass Maltaqua über eigene Appartements ganz in der Nähe der Tauchbasis verfügt. So war auch gleich die Unterkunft vor Ort geklärt.

Nach unserer Ankunft auf Malta wurden wir von Mike persönlich abgeholt. Mike ist auf Malta geboren, jedoch in Schottland aufgewachsen. Der heute 70jährige ist immer noch begeistert vom Tauchsport. Vor 40 Jahren hat es ihn zurück nach Malta gezogen. 1970 hat er mit seiner Frau Agnes begonnen, eine Tauchschule aufzubauen. Was zunächst eher Hobbycharakter hatte, ist im Laufe der Zeit zum Lebensinhalte der beiden geworden.

Malta - Mike, Tauchschulen Gründer mit eigener Anzugproduktion

Die Gäste von Maltaqua profitieren daher nicht nur von der langjährigen Erfahrung von Mike und Agnes, sondern auch davon, dass die beiden wirklich Freude am Tauchen haben und mit Begeisterung dafür sorgen, dass möglichst alle Wünsche der Gäste erfüllt werden.

Den Wunsch, ganz auf Formalitäten zu verzichten, können die beiden selbstverständlich nicht erfüllen. So wird Anette zunächst über die allgemeinen Risiken des Tauchens informiert und die gesundheitlichen Voraussetzungen werden überprüft. Der Papierkram ist jedoch schnell erledigt und schon geht es ins Klassenzimmer, die Schulbank drücken.

Die erste Lektion entführt Anette und eine weitere Tauchschülerin per Video in die Unterwasserwelt. Anschließend werden die Lehrinhalte des Videos zusammen mit dem Tauchlehrer vertieft. Auf dem Stundenplan steht u.a. die Tauchphysik. Die unterschiedlichen Druckverhältnisse unter Wasser haben einen großen Einfluss auf den menschlichen Körper und stellen somit ein enorm wichtiges Wissensgebiet für Taucher dar.

Malta - OWD Tauchkurs Theorie

Natürlich bedarf es auch eines speziellen Equipments, um sich überhaupt für eine längere Zeit unter Wasser aufhalten zu können. Die jeweiligen Ausrüstungsteile wie Tarierungsjacket, Lungenautomat, Anzüge oder Tauchcomputer werden im Unterricht erklärt, bevor sie zum ersten Mal angelegt werden.

20080516_Malta_05_OWD_Theorie

Schneller als erwartet geht es dann aber für die beiden Tauchlehrlinge in das nasse Element. Malta  hat hier den Charme, dass es Tauchplätze gibt, die vom Land aus erreichbar sind und sich sehr gut für die Ausbildung eignen. Im Übrigen gibt es hier meist auch interessante Alternativen für bereits ausgebildete Taucher. So ist es in Cirkewwa beispielsweise kein Problem, wenn einer die Ausbildung macht und der Reisepartner am gleichen Tauchplatz das Wrack des 1991 versenkten Schleppers Rozi oder des Grenzpatrouillenboots P29 betaucht.

Malta - Tauchfoto Wrack Rozi

Hier macht auch Anette ihre ersten Erfahrungen. Zunächst gibt es ein ausführliches Briefing, d.h. eine Erklärung wie der Übungstauchgang abläuft, dann wird das Equipment parat gemacht und angelegt. Zum Schluss noch der Buddy-Check, um zu schauen, ob der Tauchpartner auch alles korrekt angelegt hat und alle Ausrüstungsgegenstände funktionieren, und ab ins Wasser …

Während der erforderlichen 5 Übungstauchgänge werden  z.B. das An- und Ablegen des Bleigurtes, das Herausnehmen des Atemreglers, das Ausblasen einer vollgelaufenen Maske oder die Verwendung eines Kompass unter Wasser ausgiebig geübt.

Die ein oder andere Übung kostet Anette sichtlich Überwindung, aber last but not least meistert sie alle erforderlichen Praxisübungen und am Ende der Praxisübungen steht zur Belohnung noch eine wenig „normales Tauchen“ an. In Cirkewwa werden die Tauchlehrlinge von einer Statue der Madonna behütet.

Malta - OWD Tauchkurs

Von Tag zu Tag freundet sich Anette mehr und mehr mit der „neuen“ Welt an. Die Tarierung unter Wasser klappt immer besser und die Vorfreude auf den ersten Tauchgang ohne Übungen steigt.

Bevor es jedoch soweit ist, muss Anette noch nachweisen, dass sie auch die Theorie verstanden hat. Gut vorbereitet ist der Multiple-Choice-Test jedoch kein Problem.

Nach 5 Theorieeinheiten im Klassenzimmer, 5 Übungstauchgängen und 4 Freiwassertauchgängen ist es dann endlich geschafft und Anette darf sich mit dem Open Water Diver Brevet auch zur Tauchgemeinde zählen.

Am ersten Tag als Taucherin erwartet Anette gleich ein besonderes Highlight. Eine Forschungsbasis für das Verhalten von Thunfischen ermöglicht es Tauchern, mit bis zu 2.5 m langen Thunfischen zu tauchen und diese zu füttern. Die Geschwindigkeit, mit der die riesigen Thunfische ganz eng an den Tauchern vorbeischießen, lässt den ein oder anderen Mittaucher zusammenzucken.

Darüber hinaus ist Malta für die Vielzahl an Wracks sowie die wundervollen Tauchplätze z.B. am Blue Hole auf der Nachbarinsel Gozo bekannt. Einige der Wracks sind selbst für Anfänger betauchbar, wovon Anette ebenfalls profitiert.

Malta - Azzure Window

Als Fazit lässt sich sagen, dass sich Malta von den Voraussetzungen her sehr gut für Anfänger und für einen Kurs im Ausland eignet. Der Ausbildungsstandard ist zumindest bei Maltaqua sehr hoch.

Auf dem Weg zu den Tauchlokationen bieten sich ab und an auch kuriose Anblicke, wie der unkomplizierte Esel-Transport auf der Ladefläche eines kleinen LKW.

 Malta - Esel-Transport

Neben den Vorzügen für Taucher hat Malta natürlich auch landschaftlich, kulturell und kulinarisch einiges zu bieten. Das bizarre Azurre Window auf der Nachbarinsel Gozo ist ein unverzichtbares Highlight bei einem Besuch der maltesischen Inseln.

Für besondere Gaumenfreuden sorgt zum Beispiel das Tarragon, dass mehrfach zum besten Restaurant Maltas gewählt wurde und zudem einen herrlichen Blick auf die in Abendstimmung getauchte St. Pauls Bucht bietet.

Malta - Restaurant Tarrango

Wie Anette die Ausbildung selbst gesehen hat und was ihre positiven sowie negativen Erfahrungen waren, schildert sie in einem Interview mit der SeaStar: Interview

Fotogalerie:

 

Hinweis: Die Tauchgänge wurden vom Maltaqua unterstützt. Alle Eindrücke sind wie immer die unseren, darauf kannst du zählen!

 

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