Reisen – Cantada d’Havaneres – „Josep Bastons – Der Mann mit der Gitarre“

Reisen – Cantada d’Havaneres – „Josep Bastons – Der Mann mit der Gitarre“

Cantada d’Havaneres - Wenn Seemanslieder am Strand verzaubern!

Jedes Jahr erklingen am Strand von Palafrugell die Seemannslieder von Liebe und Leidenschaft. Gemeinsam mit Reisebloggerin Nicole Biarnes von Freibeuter Reisen habe ich die Ehre einen der bekanntesten Havaneras Komponisten in seinen eigenen vier Wänden besuchen zu dürfen.

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Musikfestival mit Tradition

Nebst vorzüglichen Fischgerichten, wunderschönen Stränden und mittelalterlichen Städtchen gibt es auf dem kulturellen Sektor ebenfalls verschiedene interessante Veranstaltungen. Mit den Cantada d’Havaneres in Calella möchte ich ein musikalisches Event mit langer Tradition hervorheben. Am 1. Juli 2016 feiert das Cantada d’Havaneres bereits das 50. Jubiläum. Dieses Musikfest lockt jährlich ca. 30.000 Menschen an und hat auch mein Interesse geweckt.
Bei meiner Recherche stoße ich auf Nicole Biarnes von Freibeuter Reisen. Ihre Berichte rund um die Costa Brava fesseln mich sehr. Mein erster Gedanke ist: „Wenn mir vor Ort jemand weiterhelfen kann, dann bestimmt Nicole.“ Und so ist es… Nicole erklärt sich sofort bereit gemeinsam mit Explore-the-Ocean über die Cantada d’Havaneres zu berichten. Doch wer kann uns vor Ort aus eigener Erfahrung etwas über die Geschichte und die Lieder erzählen?

Josep Bastons - Havaneras Komponist aus Leidenschaft

Schnell stoßen wir auf Josep Bastons. Josep ist Komponist und lebt in Palafrugell. Er ist seit einer Ewigkeit in der Welt der Havaneras zuhause. Erst kürzlich hat er für seine Verdienste das Sant Jordi Kreuz verliehen bekommen. Am Morgen des 50. Cantada d’Havaneres, wo Josep Bastons natürlich wieder aktiv dabei ist, dürfen wir tatsächlich ein Interview mit dem Komponisten führen. Nicole und ich stehen vor einem unscheinbaren Haus in Palafrugell und klingeln an der Türe. Ich bin wirklich gespannt, wer uns nun empfängt. Ein kleiner, auf den ersten Blick sympathischer, älterer Herr steht vor uns und bittet uns in seine Wohnung. Diverse Auszeichnungen zieren Wände und Regale im Wohnzimmer. Leider spricht Josep nur katalanisch, so dass ich das Interview mit ihm nur fotografisch begleiten kann. An seiner Gestik und seinen strahlenden Augen kann ich trotz der Sprachbarriere seine Leidenschaft für die Havaneres erkennen. Mehr erfahrt ihr im Interview mit Josep und Nicole weiter unten in diesem Artikel.

Die Bucht von Calella de Palafrugell im Zeichen der Havaneres

Heute ist die Bucht von Calella de Plafrugell ganz im Zeichen des 50. Cantada d’Havaneres Festivals. Tausende von Besuchern bevölkern den kleinen Ort. An den Stränden tummeln sich Menschen und lauschen den kleinen Konzerten, die verteilt in der Stadt und an den Strandabschnitten tagsüber laufen. Auch wir Mischen uns unter die Leute und finden noch einen schönen Platz auf einem Felsen mit tollem Blick auf die Strandbühne und das Meer. Von hier verfolgen wir den Gesang der Havaneres welche für Seemanslieder passend vom sanften Meeresrauschen begleitet werden.

Die Hauptveranstaltung am Abend ist längst ausverkauft. So bestaunen wir lediglich die Bühne, welche gerade für das Konzert am Abend vorbereitet wird. Der ein oder andere Künstler probt auf der halbfertigen Bühne bereits seinen Auftritt für den Abend, an dem Josep Bastons natürlich auch wieder auf der Bühne steht.

Interview mit Josep Bastons

Hallo Josep!  Wir sind heute hier, um etwas darüber zu erfahren, was „Havaneres“ eigentlich genau sind, denn du bist ein Havaneres Komponist, richtig?

„Ja Ich bin Komponist von Havaneres und Boleros und ich stehe so ein bisschen in der Mitte davon. Weil sie damals einfach Havaneres auf Katalanisch brauchten. Auf Spanisch gab es ja schon viele, die aus Calella, die sangen die Fischer von Calella. Man hatte sie in Büchern gesammelt, aber auf Katalanisch gab es eben keine. Und so fingen wir an katalanische Havaneres zu machen. Ich habe erst eine gemacht, die kam sehr gut an und dann kam nach der ersten die zweite und dann konnten wir gar nicht wieder aufhören.“

Und wovon handelt eine typische Havanera ?  Was ist das Thema …

„Bueno, von der Liebe, vom Meer, von Matrosen. Es kommen auch Kriege vor oder der Tod. Ich habe auch eine über den Tod gemacht.

[Josep fängt an zu singen] „Du warst noch so klein, mein Sohn, als dein Vater … “ Das ist zum Beispiel eine. Oder diese: [Josep singt] „Seht euch das Meer an auch wenn es nur einen Augenblick ist, es hat mir den Sohn geraubt und den Vater …“ Es geht fast immer um Seeleute, um Mulattinnen, um Lolas, um Liebe und das Meer.“

Und wie ist das mit der Geschichte der Havaneras? Es gibt ja eigentlich Havaneras an der ganzen Küste entlang, aber hier in Calella de Palafrugell gibt es etwas Besonderes, nämlich das Havaneres Festival.

Warum spielen die Havaneres hier so eine besondere Rolle?

„Also das mit dem Festival fing hier in Calella an. Oder anderes gesagt, Havaneras sang man überall an der Küste. Man sang sie in l’Escala, in Roses, in Sant Feliu, in Calella de Palafrugell, … Eigentlich wurden Havaneres überall gesungen, aber hier wollte man die alten Lieder sammeln, diese Lieder, die die Fischer sangen, damit sie nicht verloren gehen. Darum hat man das Buch gemacht “Calella und die Havaneres”. Meister Sirés war der Musiker und die Sänger von Calella schrieben die Texte auf, genau so, wie sie gesungen wurden.“

…  so wie es die Fischer sangen, …

„Genau so, wie es die Fischer sangen. In der Taverne von Can Batlle wurde das Buch vorgestellt. Irgendwann im August. Und es war so voll, dass die Leute gar nicht alle in den Saal passten. Meister Sirés begleitete die Sänger mit einem Harmonium aus der Kirche. Sie hatten weder ein Klavier noch eine Gitarre, nur dieses geliehene Harmonium  [lacht].

Da haben sie gemerkt, dass die Havaneras sehr beliebt sind. Die Buchvorstellung war ein Erfolg. Warum machen wir das nächstes Jahr nicht noch einmal? Und im darauf folgenden Jahr fand dann die erste Cantada statt, im Jahr 1966. Und von da an machte man immer weiter. Allerdings findet die Cantada jetzt im Juli statt, nicht mehr im August.

Weil es im August so voll war, haben sie sich gedacht, wir machen das lieber im Juli, da kommen nicht ganz so viele Leute. Aber es ist immer voll! Und so hat man dann weitergemacht und nun sind wir schon bei der 50sten Cantada.

Jedes Jahr kamen verschiedenen Bands. Am Anfang waren es eher Amateure, die  Havaneres aus Liebhaberei spielten. Später wurden die Bands dann professioneller, sie brachten Gitarren, Akkordeons, Kontrabässe.“

Und die Besucher kommen von überall her?

„Ja, heute kommen die Leute von überall. Dieses Jahr, alle Gruppen,…

Die Bands mit denen ich unterwegs war, wir waren in ganz Katalonien,  sagen wir mal, ich war nicht nur in Katalonien . Ich war auch in Deutschland in München, in Essen, Berlin, in Luxemburg weiß ich gar nicht mehr wie oft. In Frankreich auch, ich weiß gar nicht wie viel mal.“

…nicht schlecht! Und immer Havaneres gesungen

„Ja immer in katalanischen Kulturzentren. Wenn sie katalanische Feste feierten, sich trafen. Als junger Mann bin ich viel auf Reisen gewesen, zwischen einer Arbeit und der nächsten …“

Ich wusste gar nicht, dass du auch in Deutschland warst …

„Das hat schon Spaß gemacht …“

Das kann ich mir vorstellen

„Ich fand es nie anstrengend oder langweilig. Das ist einfach meins und ich hab wirklich eine schöne Zeit gehabt, hab es genossen. „

Wie schön, wenn man etwas macht, was von Herzen kommt.

[.. kurze Pause ]

Eine Sache muss ich noch mal fragen… bei der Cantada d’Havaneres ist immer ein ganz bestimmter Moment, da holen alle ihre weißen Taschentücher raus und winken damit

„Ach das. Das macht man, wenn das Lied ‚La Bella Lola‘ gespielt wird … [Josep singt] „Wenn Lola sich von dem Matrosen verabschiedet und am Strand steht… “ Es fing eigentlich damit an, dass Taschentücher verschenkt wurden, so Werbegeschenke, wie es die manchmal von der Bank oder so gibt, und da haben sie dann alle gewunken.

Von allen Havaneres die du schon komponiert hast, gibt es da ein Lieblingslied? Eine Havanera, die du besonders magst?

„Es gibt eine die ich sehr mag, eigentlich mehrere. Ich hatte das Glück, … ich hab nicht die Texte der Havaneres geschrieben.“

Du komponierst die Musik?

„Die Musik, genau. Da gibt es zum Beispiel „A cau d’orella“ (leise ins Ohr flüstern) das ist von Carles und eine die mir auch gut gefällt ist ‚la Gavina‘ von Meister Sirés, der mein Musiklehrer war. ‚A cau d’orella‘, ‚Mariner de terra adins‘ ‚Lola la tavernera‘ die sind jetzt alle von mir. Und dann hab ich noch so viele Sachen gemacht ‚Records‘, ‚el pensament‘, ‚vuill tornar-te a veure‘.“

 Und welches davon wäre dein Lieblingslied?

‚A cau d’orella‘ [singt] „Ich mag das Blau des Meeres, ich mag die Tramontana, ich mag die Sommernächte und den roten Himmel bei Sonnenaufgang. Ich mag den Duft nach Pinien und den Morgentau, aber was ich am meisten mag, ist dein Körper, den ich schon so oft geküsst habe“. Also das ist eine und der Text ist von Carles Casanoves einem Freund von mir.

Spielst du das Lied für uns mal, das was du gerade gesungen hast  ?

„Ja.“ [Josep holt seine Gitarre und spielt das Lied für uns]

Wenn du ein neues Lied komponieren willst, gibt es einen bestimmten Ort, den du dann aufsuchst ? Gehst du zum Beispiel ans Meer oder so?

„Nein nein.“

Oder im Garten vielleicht, so unter einem Baum sitzend, ... 

„Die richtigen Sätze zu finden ist das Besondere. Die Sätze die ich mache, sind die, die mir selbst gefallen. Wenn ich zu einem Text den Faden nicht finde, dann lasse ich es einfach. Das kommt dann schon später. Oft mache ich das ehr draußen auf der Straße als hier drinnen zu Hause. Wenn mir etwas einfällt, dann denke ich, das ist die richtige Idee.“

…. also wenn du auf der Straße spazieren gehst, hast du manchmal einfach die Idee ..

„Nee nicht die Idee, den richtigen Satz, also den musikalischen Satz, finde ich dann und manchmal eben nicht. Aber weil du ja den Text im Kopf hast, wenn du dann einfach spazieren gehst, durch die Straße, dann hepp!  Oder in der Dusche. In der Dusche habe ich mal ein Stück von einem Walzer gemacht, der mir vorher einfach partout nicht einfallen wollte. [singt tiadudaduda…]  hahaha das habe ich unter der Dusche gemacht.“

[Lachend…]

„Ich hatte das ganze Lied,  aber es fehlte die Brücke. Und irgendwie wollte mir nichts so richtig gefallen. Und als ich es dann hatte, bin ich schnell aus der Dusche raus, hab das Aufnahmegerät geschnappt und hab es aufgenommen.“

Dann kommt also immer zuerst der Text und dann die Melodie

„Ja ja ja.“

Für deinen Beitrag zur katalanischen Kultur hat man dir vor Kurzem das Sant Jordi Kreuz verliehen. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?

„Ich glaube das Sant Jordi Kreuz habe ich für alles gekriegt, was ich auf Katalanisch gemacht habe. Weil, klar, ich habe über hundert Lieder gemacht, die von allen Bands gespielt werden. Die singen nicht nur du und ich, sondern alle Bands.“

‚Lola la tavernera‘ singen sie immer. Das spielen sie wirklich alle. Ich glaube darum ist das. Für die Arbeit, die ich auf Katalanisch gemacht habe.

Kultur ist ja wichtig. Die Musik ist ja ein Teil der Kultur.

„Ja aber ich … weiß nicht wie ich das sagen soll, … Ich habe mich der Musik gewidmet. Und ich hab gemacht was mir Spaß macht, und was ich dachte was richtig ist. Und ich hab was gemacht wozu ich Lust hatte. Ich habe also einfach das Glück gehabt, viele Freunde in dieser Branche zu haben.“

Das Sant Jordi Kreuz, oh schön, und es ist jetzt erst einen Monat her, da gab es eine richtige Zeremonie …

„ja einen Monat ist das jetzt her.“

Und ich habe gehört, man hat dir sogar ein Lied gewidmet, Carles Casanoves und Antoni Mas haben für dich ‚L’home de la Guitarra‘, der Mann mit der Gitarre geschrieben …

„Ja, wir haben ein Lied Calella gewidmet, jetzt zum fünfzigjährigen Jubiläum“

Und der Mann mit der Gitarre?

„Der Mann …?“

Der Mann mit der Gitarre

„Ahh! Der Mann mit der Gitarre! Das ist das hier.“

[steht auf]… [kommt mit dem Liedtext wieder]

Das hat man dir gewidmet!

„Von Carles Casanoves und Antoni Mas. Und da gibt es eine Stelle, an der heisst es, die Geräusche verschmelzen miteinander, alles füllt sich mit Liedern und einer einfachen Stimme, und das ist die von Josep Bastons, dem Mann mit de Gitarre.“

Und wusstest du das vorher oder war das eine Überraschung?

„Das war eine Überraschung! Ich dachte doch, die reden von den anderen!  

Ich habe viele Freunde. Es ist schön,wenn alle dich grüssen,  hey Bastons hier und hey Bastons da , warum kommst du denn nicht mal wieder? Wir machen dies und das… Aber jetzt, wo das alles zu Ende geht…“

Nein!

„Doch doch , es geht zu Ende…“

Nein Nein, du wirst noch ganz viele Havaneres machen!

„Hehehe bueno, wenn ich noch kann…

Aber die Stimme geht weg, und überschlägt sich immer. Ich habe halt mein ganzes Leben lang gesungen und vielleicht habe ich meine Stimme nicht gut genug gepflegt, und es geht halt zuende, aber ich singe trotzdem immer noch.“

Ja klar, und es kommt ja auch von Herzen.

„Ja ich singe immer noch.“

Was macht die katalanische Kultur aus? Das Essen? Das Meer? Die Musik? 

„Ich glaube es ist ein wenig von allem.

Die Leute kommen hier her, wegen des Meeres, wegen der Sonne, wegen der Temperaturen. Sie kommen wegen der Restaurants, … davon gibt es sehr viele und sehr gute. Ich nehme an sie sind auch ein wenig an der Kultur interessiert.“

Gut zu wissen...

Land:Spanien (Katalonien)
Lage:Tamriu liegt in Katalonien auf dem spanischen Festland, ca. 100 km südlich der Französischen Grenze und 100 km nördlich von Barcelona.
Größe:< 300 Einwohner, allerdings in der Sommerzeit ein vielfaches an Touristen
Hauport:Tamariu gehört zur Gemeinde Palafrugell mit ca. 23.000 Einwohner
Sprache:Katalanisch, Spanisch
Geld:EUR
Visum:Für EU-Bürger und Schweizer wird kein Visum benötigt. Ein gültiger Reisepass oder Personalausweis ist ausreichend.
Tauchgenehmigung:nicht erforderlich, jedoch gesundheitliche Tauchtauglichkeitsbescheinigung zwingend vorgeschrieben
Zeit:MEZ
Medizinische Hinweise:Keine besonderen Empfehlungen (ohne Gewähr). Aktuelle Informationen bitte beim Arzt erfragen.
Elektrische Spannung: 220 V – Euro-Stecker funktionieren ohne Adapter, deutschen Schuko-Steckdosen i.d.R. nicht; Schweizer Stecker benötigen einen Adapter
Information im Web:

Cantanda d’Havaneres: www.visitpalafrugell.cat

Tauchcenter: www.stollis-divebase.eu
Tamariu: www.tamariu.eu

Interview mit Josep Bastons: Gemeinsam mit Nicole von freibeuter-reisen.org durfte ich den sympathischen Komponisten Josep Bastons daheim besuchen!

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