Reisen – Ägypten – „Silvies erster Tauchurlaub mit Familie“

Reisen – Ägypten – „Silvies erster Tauchurlaub mit Familie“

Als tauchende Mutter fiebert man jahrelang auf den ersten gemeinsamen Tauchurlaub mit den Kindern hin. Für  Gastautorin Silvie Alser ist es nach 10 Jahren des Wartens endlich soweit. 

Unser erster Tauchurlaub als Familie

Als tauchender Elternteil wird die Geduld mit der Geburt der Kinder auf eine lange Probe gestellt – ganze 10 Jahre! Unser ältester Sohn ist mittlerweile 12 Jahre alt und stolzer Besitzer eines Junior Open Waters. Sein jüngerer Bruder hat nun auch das Alter erreicht, in welchem er Schnuppertauchgänge absolvieren darf. So machen wir uns auf den Weg nach Ägypten, um unseren ersten gemeinsamen Familien-Tauchurlaub zu absolvieren. Die Hoffnung ist, dass auch unser jüngstes Familienmitglied dem Tauchen etwas abgewinnen kann, so dass wir ab nächstem Jahr endlich häufiger als Familie Tauchferien machen können.

Wohin soll die Reise gehen?

Aufgrund meiner zahlreichen guten Erfahrungen aus diversen Tauchurlauben in Ägypten sowie den zur Verfügung stehenden Direktflügen ist schnell klar: Wir fliegen nach Hurghada. 

Vom Flughafen in Hurghada, haben wir einen gut einstündigen Transfer nach Safaga, wo wir im neu gebauten Amarina-Resort (ehemals Holiday-Inn) unterkommen. Wir waren schon 2008 dort und sind gespannt, was sich hier alles verändert hat. 

Auch das Tauchcenter ist uns von damals noch bekannt. Wir tauchen wieder mit dem Ducks Diving ab und hoffen, dass es der Tauchbasis gelingt unseren Sprössling für das Tauchen zu begeistern.

Anreise

Die griechische Ferienfluggesellschaft „Orange2Fly“ befördert uns nach Hurghada. Wir kennen die Fluggesellschaft bislang nicht. Sie macht aber einen guten Eindruck auf uns und der Flugtransfer verläuft einwandfrei.

Die Einreise in Ägypten verläuft wie immer – 25 Dollar pro Visum, lange Schlange stehen, am Ausgang werden wir erwartet und los geht der Transfer nach Safaga.

Amarina Hotel

Das Amarina Abu Soma Resort & Aquapark Anzeige ist gerade erst im August 2019 neu eröffnet. Aktuell sind erst ca. 2/3 der Zimmer fertig und es sind noch überall in der Hotelanlage Bauarbeiter zu sehen. Häufig bauen sie nicht an neuen Dingen, sondern reparieren bereits Bestehendes, was uns bei einem niegelnagelneuen 5-Sterne-Hotel ein wenig verwundert.

Unser Bad steht aufgrund einer defekten Spülung immer wieder unter Wasser. Der Feueralarm schreckt uns zweimal mitten in der Nacht auf und auch das Telefon war defekt. Die Angestellten sind jedoch sehr bemüht und beheben die Probleme sehr schnell. Oftmals jedoch eher schlecht als recht.

Das Essen ist super und abwechslungsreich. Zwei Themenrestaurants sind bereits geöffnet und das Essen schmeckt hervorragend. Auch der Service lässt keine Wünsche offen. Im Restaurant wimmelt es vor Kellnern. Tagsüber profitieren wir vom All-you-can-eat und drink (inkl. Alkohol) Angebot.

An Freizeitangeboten mangelt es definitiv nicht in dem gut gepflegten Hotelkomplex. Ein Fitnessstudio, ein Spielplatz, der Kids-Club, viel Animation und tolle Abendshows bieten für jeden etwas. Die 5 Pools sind schön in die Anlage integriert. Die oftmals in Hotels anzutreffende Schlacht um Liegestühle am Pool erübrigt sich, da es unglaublich viele Sonnenstühle gibt. So finden wir immer freie Liegen, um am Pool zu entspannen. Der Aqua-Park mit seinen 7 Rutschen war einer der wesentlichen Gründe für die Auswahl des Amarina Hotels. Ein goldrichtiger Entscheid. Die Kinder haben mega viel Freunde und genießen den Wasser-Fun-Park in vollen Zügen. 

Trotz der kleinen technischen Mängel, sind wir mit dem Amarina Hotel sehr zufrieden und können es uneingeschränkt empfehlen.

Ducks Diving

Den Esel gibt's nicht mehr

Die Ducks Diving Tauchschule wird seit 15 Jahren von Lutz geführt. Er hat alles perfekt im Griff. Den Esel, welcher einst die Tauchflaschen zu den Booten gezogen hat, gibt es nicht mehr. Ansonsten sieht noch alles wie vor 11 Jahren bei meinem ersten Taucherlebnis mit Ducks Diving aus. Die Bootscrew macht einen hervorragenden Job, alles ist eingespielt und die Flaschen sind immer gut gefüllt. Nitrox gibt es kostenlos dazu.

Das Hausriff, der optimale Wiedereinstieg für unseren Sohn

Wir starten die ersten beiden Tage mit Tauchgängen am Hausriff, um langsam einzusteigen und uns an die neue Ausrüstung zu gewöhnen. Unser Sohn war seit 2 Jahren nicht mehr tauchen, so dass er sich langsam wieder ans Tauchen herantastet. Während dessen verbringt unser Jüngster die Zeit in der Lounge-Ecke der Tauchschule. Tine, die stellvertretende Leiterin der Tauchbasis, wirft ein Auge auf ihn, während er sich mit Lesen oder Gamen beschäftigt.

Das Hausriff ist am Vormittag besonders schön, da die Sicht meist sehr gut ist. Am Nachmittag ist es hingegen oft trüb. Der Einstieg ist sehr flach. Entlang eines Seils tauchen wir von nur einem Meter Tiefe ganz seicht ab und schweben über eine Seegraswiese. In 5 Minuten erreichen wir das Hausriff, welches maximal 10 Meter tief ist. Am Ende vom Riff führt ein weiteres Seil zurück zum Strand. Vertauchen ist somit nicht möglich. Perfekt für Beginner und Taucher, die Schwierigkeiten mit der Navigation haben. Über eine weitere Seegraswiese tauchen wir wieder zurück zum Steg. 

Das Riff ist schön bewachsen, bevölkert von diversen Fischen und gelegentlich taucht ein Blaupunktrochen auf. Die Riesenschildkröte, welche ihr zu Hause am Hausriff hat, ist uns leider weder beim Tauchen noch beim Schnorcheln begegnet.

Schnorcheln am Steg toppt fast das Hausriff

Endlich ist es soweit, dass auch unser Jüngster mit nun 10 Jahren zum ersten Mal aus dem Lungenautomaten atmet. Er ist von der Unterwasserwelt begeistert. Wir sind froh, dass auch er Gefallen am Tauchen findet und wir in Zukunft als Familie abtauchen können.

An unseren tauchfreien Tagen gehen wir regelmäßig am Steg schnorcheln. Unglaublich, was wir alles vor die Tauchmaske bekommen. Tintenfische, Sepiaschwärme, Nacktschnecken, Flötenfische, Anemonenfische und noch vieles mehr ist hier zu entdecken. Es ist fast schöner als am Hausriff zu tauchen! Wer also nur schnorchelt, wird auf keinen Fall enttäuscht werden.

Tauchausflüge - Natur erleben wie bei National Geographic

Immer genügend Platz an Bord

Ducks Diving bietet selbstverständlich auch Bootstauchgänge an. Nachdem beim Tauchen am Hausriff alles prima geklappt hat, planen wir nun jeden 2. Tag auf einen Tauchausflug mit dem Boot zu gehen. 

Die Tauchschule verfügt aktuell über vier verschiedene Tauchschiffe, welche täglich raus fahren. Die Schiffe sind derzeit nur selten komplett ausgebucht, so dass wir immer genügend Platz auf dem Sonnen- und dem Tauchdeck finden. Die einheimischen Guides sprechen überraschenderweise alle fließend Deutsch, was die Kommunikation vor allem für unseren Jüngsten beim Schnuppertauchen sehr erleichtert. Während mein Mann und ich zusammen mit dem Großen abtauchen, wird unser Jüngster von einem Tauchlehrer bei seinem ersten Schnuppertauchgang im offenen Meer begleitet.

Für den zweiten Tauchgang schippern wir immer an einen anderen Tauchplatz. Die Briefings sind recht ausführlich, so dass es ein Leichtes ist sich als selbständiges Buddyteam zu orientieren. Die Taucher werden ganz in Ruhe in Gruppen nacheinander ins Wasser geschickt. Rudeltauchen wird damit so gut wie möglich vermieden und der Tauchgang beginnt ganz entspannt. Die maximale Tauchzeit wird auf 80 Minuten begrenzt! Das wird längst nicht in allen Tauchbasen so großzügig gehandhabt.

Stolze 30 Tauchgänge mit 12 Jahren

Unser 12jähriger Sohn ist noch Tauchanfänger und hat natürlich noch einen recht hohen Luftverbrauch. Der Kleinste bekommt daher mit 12l die größte Tauchflasche, damit wir nicht seinetwegen den Tauchgang frühzeitig beenden müssen. Mit seinen 12 Jahren darf er offiziell auf einer Tiefe von maximal 18 m tauchen. Uns ist es vor allem wichtig, dass ihm das Tauchen Freude bereitet. Tiefenjagd ist daher nicht unser Ziel. Wir halten uns meist in einer Tiefe um 12 m auf, wo er sich sehr wohl fühlt und im engen Buddyteam mit uns von Tag zu Tag entspannter taucht.  Als wir die Heimreise antreten, stehen bereits stolze 30 Tauchgänge in seinem Logbuch.

Nicht nur das Tauchen ist perfekt an Board. Zwischen den Tauchgängen gibt es ein kleines, nett angerichtetes Buffet. Die Küchencrew hat definitiv ein besonderes Lob verdient für das unheimlich leckere Essen, welches sie in der kleinen Bordküche zaubert. 

Die weiße Welle und der majestätische Manta

Auf den Bootstouren fahren wir immer wieder neue Tauchplätze an. Die Vielfalt ist überwältigend. Sowohl die imposanten Steilwände als auch die flachen Tauchplätze mit farbenfrohen Korallenblöcken begeistern uns.

Bereits beim 1. Tauchgang am Panorama-Riff ist uns das Glück hold. Ein Manta schwebt majestätisch an uns vorbei. 2 Tage später sind wir erneut am Panorama-Riff und wieder dürfen wir einen Manta auf unserem Tauchgang begrüßen.

Auf der Rückfahrt zum Hotel werden wir Zeuge eines besonderen Spektakels, der  sogenannten weißen Welle. Diese entsteht durch große Fischschwärme, die von Jägern unter Wasser in Aufruhr gebracht und an die Wasseroberfläche getrieben werden. Unzählige Fische springen dabei aus dem Wasser und erzeugen so die weiße Welle. Dabei werden die armen Fische zugleich aus der Luft attackiert, wo die Möven bereits warten um sich auf sie zu stürzen. Von Bord aus können wir leider nicht erahnen, welcher Jäger den Fischschwarm in Hektik versetzt hat. Wir fühlen uns trotzdem fast wie in einer Live-Dokumentation von National Geographic.

Traumhafte Tauchbedingungen - 28° C und beste Sicht

Auch an den vielen anderen Tauchplätze um Safaga, wie Tobia Kebir, Abu Soma Garden oder Ras Abu Soma begeistert uns die Unterwasserwelt. Die Sichtweiten sind fast immer sehr gut und bei Wassertemperaturen von 28° C ist jeder Tauchgang ein Genuss. Während an vielen anderen Tauchdestinationen die Korallenbleiche das Taucherherz betrübt, dürfen wir uns hier über eine völlig intakte Korallenpracht freuen. Muränen, Blaupunktrochen und Steinfische treffen wir auf nahezu jedem Tauchgang an. Unser Sohn entdeckt sogar einen der gespenstisch anmutenden Red Sea Walkmans

Die Breite der Unterwasserfauna ist enorm. Gitarrenfische, Schildkröten, Glasfische, Tintenfische oder auch bunte Riffschwärme sorgen für abwechslungsreiche Taucherlebnisse. Es ist einfach wunderbar, die Eindrücke in der faszinierenden Unterwasserwelt nun mit der ganzen Familie teilen zu können.

Mein Fazit

Oktober ist die perfekte Jahreszeit für einen Tauchurlaub in Safaga. Es ist nicht zu heiss, das Wasser ist noch angenehm warm und die Tauchbasen sind nicht überfüllt. Optimale Rahmenbedingungen für einen gelungenen Tauchurlaub mit der Familie. Natürlich hat auch die super Betreuung der Tauchbasis dazu beigetragen, dass sich sowohl die kleinen als auch die großen Familienmitglieder jederzeit wohl gefühlt haben.

Tauchen mit der Familie kann ich nur jedem empfehlen. Wir jedenfalls freuen uns auf das nächste familiäre Taucherlebnis und sind gespannt, wo die gemeinsame Tauchfaszination uns noch überall hinführen wird!

Beste Reisezeit für Taucher -

In Ägypten ist es heiß und trocken. Im Sommer können die Temperaturen leicht unerträglich werden. In den Wintermonaten sind die Temperaturen zwar angenehm, aber das Wasser kühlt sich deutlich ab und es ist oftmals sehr windig. 

Der perfekte Monat für einen Tauchurlaub ist der Oktober. Die Lufttemperaturen sind immer noch sommerlich, nachts kühlt es schon etwas ab und das Wasser ist noch von den Sommermonaten aufgeheizt. 

Klimatabelle

Gut zu wissen...

Allgemeine Reiseinformationen

Land:Ägypten – Rotes Meer
Lage:Staat im nordöstlichen Afrika.
Größe:Mit einer Fläche von 1.001.449 qkm ist Ägypten ca. dreimal so groß wie Deutschland.
Hauptstadt:Kairo
Bevölkerung:ca. 97 Mio. Einwohner
Sprache:Arabisch
Religion:In Ägypten stellen Muslime mit 85 % die Mehrheit dar, 15 % sind christlichen Glaubens.
Geld:Ägyptische Pfund (EGP)
Visum:Mindestens 6 Monate gültiger Reisepass für Besuche bis zu 30 Tagen. Das Visum ist bei der Einreise für 25 $US erhältlich.
Tauchgenehmigung:45 $US
Zeit:MEZ + 1 Stunde
Medizinische Hinweise:Hepatitis A (ansteckend) wird dringend empfohlen. Hepatitis B ist zwar nicht zwingend, aber in Kombination mit Hepatitis A nur wenig teurer. Diphtherie, Tetanus und Polio sollten vorhanden sein.
Elektrische Spannung: 220 V

Hinweis:
Alle Bilder stammen von Silvie oder wurden vom Ducks Divning zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank für die Anreicherung des Berichtes um die Fotos.

Fotogalerie

Schreibe einen Kommentar